Krefeld: Krefelder in der Bütt
VON JOCHEN LENZEN - zuletzt aktualisiert: 05.02.2010 - 17:00Krefeld (RPO). Neben den auswärtigen Stars des Karnevals gibt es auch Krie-ewelsche, die als Amateure erfolgreich in die Bütt gehen. Dazu gehören der vermutlich Jüngste, ein vormaliger Prinz Karneval, eine gestandene Frau, ein sehr ortsverbundenes Trio und ein erfahrener Witzeerzähler.
„Herr Lehrer, unser Kanarienvogel kann sprechen. Quatsch, sät dä Lehrer. Kanarienvögel können nicht sprechen. Doch, unser kann! Wenn man ihn fragt, wat unser Opa raucht, sät dä Piep!”
Mit Witzen aus Schule, Familie und Nachbarschaft begeistert der gerade erst 15-jährige Robin Polka vermutlich der jüngste Krefelder Büttredner, der sogar schon eine „Auslandsengagement” hat seine Zuhörer. Seinen ersten Auftritt absolvierte der Traarer, der die 9. Klasse des Gymnasiums am Uerdinger Stadtpark besucht, bereits als 13-Jähriger: „Meine Oma hatte mich gefragt, ob sich nicht Lust hätte, hier beim Traarer KAB-Karneval eine Rede zu halten. Ich hab sofort Ja gesagt, und weil es so gut geklappt und mir unheimlich Spaß gemacht hat, mache ich damit weiter.”
Talent von Oma und Onkel Sein Vortragstalent kommt nicht ganz von ungefähr: Besagte Oma Ursula Heynen geht schon seit 35 Jahren bei der KAB in die Bütt und hat früher auch für ihren Sohn, Robins Onkel Markus Heynen, Büttreden geschrieben. „Der war damals auch in Robins Alter”, sagt die Oma.
Die Figur war das „Kurtimännchen”, in der nun auch Robin mit kariertem Hemd, Käppi und Halstuch in die Bütt geht: im vergangenen Jahr auch schon beim Pfarrkarneval in Gartenstadt und in diesem Jahr beim Kinderkarneval der KG Verberg. Sieben, acht Mal werden die Reden, die Oma Ursula in sauberer Handschrift aufs Papier gebracht hat, vor jedem Auftritt mit ihr geprobt. „Langsam und deutlich”, sagt Robin auf die Frage, was seine Oma ihm am eindringlichsten einbläut. „Wir üben aber auch Betonung, Pause, Mimik und Gestik.” Lampenfieber habe er schon, am heftigsten ganz kurz vor dem Auftritt.
„Aber das ist weg, sobald der erste Lacher kommt. Dann werde ich ich sicher und locker”, sagt Robin. Hängen geblieben sei er bisher noch nicht. „Ich habe ja den Text dabei, und durch Lacher, Applaus und Tusch ist Zeit genug, die nächste Textstelle zu finden.” Das Video von seinem ersten Auftritt vor zwei Jahren zeigt tatsächlich, wie selbstbewusst der junge Mann trotz leichter Nervosität da schon vorgetragen hat: Er spricht laut und deutlich, betont richtig, steht auch nicht stocksteif in der Bütt und erntet die verdienten Lacher.
Meist spricht Robin in die Menge, hat inzwischen aber auch gelernt, dass und wie er einzelne Personen aus dem Publikum ins Visier nehmen und anspielen kann. Vier Orden hat er bisher schon als Lohn für seine Kunst bekommen. Ach ja, was das eingangs erwähnte „Auslandsengagement” betrifft: Heute tritt Robin Polka zum ersten Mal außerhalb seiner Heimatstadt auf. Für ihre Kindersitzung hat ihn die KG\x0fSchlossgeister aus Neersen verpflichtet.
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