Krefeld: Krefelder Serienräuber: Unterschlupf bei Geliebter?
VON URS LAMM - zuletzt aktualisiert: 07.02.2012 - 16:08Krefeld (RPO). Der Serienräuber Thomas F. bereitet der Polizei weiterhin Kopfzerbrechen. Der Krefelder ist seit dem Jahreswechsel wie vom Erdboden verschluckt. Die Polizei hält es für möglich, dass er im Ausland untergetaucht ist oder bei einer Geliebten Unterschlupf gefunden hat.
Der Fall Thomas F. stellt die Polizei weiterhin vor ein großes Rätsel. Trotz europaweiter Suche gibt es keine Spur von dem Krefelder Schwerverbrecher. Seit dem Jahreswechsel sind weder Straftaten noch Aufenthaltsort des Räubers bekannt. „Er hat ein Allerweltsgesicht. Man sieht ihm nicht an, dass er ein Ganove ist. Das macht es für uns umso schwerer“, sagt Andre Hartwich von der Düsseldorfer Polizei, die die Suche nach F. koordiniert.
Banküberfälle und Bus-Entführung
Seit Sommer 2011 wird F. laut Polizei mit 29 Straftaten in Verbindung gebracht. Es geht um Raubüberfälle auf Banken, Geschäfte, Tankstellen und Privatleute in mehreren Bundesländern. Außerdem soll er mehrfach Tankbetrug begangen haben.
In den Blick der Öffentlichkeit fielen die Straftaten des Krefelder Ende des vergangenen Jahres, als sich die Ereignisse überschlugen. Anfang Dezember überfiel er einen Kiosk in Grevenbroich, zwei Tage später ein Hotel in Neuss. Er flüchtete mit einem Polo, den er im November in Sachsen-Anhalt geraubt hatte. Am 9. Dezember hatte ihn die Polizei fast. In Krefeld entdeckten Beamte den Polo. Doch F. durchbrach mit dem Polo eine Straßensperre von zwei Streifenwagen. 15 Stunden später drang er ins Gehöft eines Meerbuscher Ehepaars ein, fesselte es, raubte Auto und Haushaltsgeld. Anschließend setzte sich F. nach Hessen ab. Dort überfiel er am14. Dezember in Kronberg zunächst einen Elektroladen, dann kaperte er einen mit dem Fahrer und sieben Fahrgästen besetzten Linienbus und raubte anschließend einen Peugeot.
Am 20. Dezember überfiel F. eine Sparkasse in Arendsee in Sachsen-Anhalt – die bislang letzte bekannte Straftat des Krefelder Räubers. Am 6. Januar entdeckte die Polizei in Berlin F.s Peugeot. Mit sechtägiger Verspätung. Die Berliner Polizei hatte den Peugeot nicht sofort dem Krefelder Serienräuber zugeordnet. „Darüber waren nicht glücklich“, kommentiert Andreas Czogalla von der Düsseldorfer Polizei.
Im Ausland untergetaucht?
Seit dem Autofund in der Bundeshaupt ist F. wie vom Erdboden verschluckt. Große Suchaktionen mit Plakaten oder über das Fernsehen mithilfe der Sendung „Aktenzeichen XY ungelöst“ blieben ergebnislos. Richtig erklären, kann sich Hartwich das spurlose Verschwinden des Räubers nicht. Schließlich müsse der Verbrecher ja von irgendetwas leben. Weitere Raubüberfälle sind von ihm nicht bekannt. „Wenn er zuletzt eine Straftat in Deutschland begangen hätte, wüssten wir das. Seine Vorgehensweise ist immer gleich. Zudem agiert er unmaskiert“, sagt Hartwich, der zwei Theorien für F.s Verschwinden hat. Theorie Nr. 1: F. hat sich ins Ausland abgesetzt. „Süd-, Südwesteuropa oder Nordafrika halte ich ich für denkbar. USA oder an Fernost halte ich eher für unwahrscheinlich“, sagt Hartwich.
Theorie Nr.2: F. hat Unterschlupf bei einer Geliebten gefunden, die ihn aushält. F. gilt als Frauentyp, der mit seiner charmanten Art gut ankommt.“Die Variante mit der Frau würde auch erklären, warum er kein neues Geld mehr raubt“ sagt Hartwich. Eine mögliche Geliebte wisse von seinen kriminellen Machenschaften gar nichts oder halte ihn allenfalls für einen Kleinkriminellen.
Die Theorie, dass F. sich in Wäldern aufhalte, hält Hartwich für unwahrscheinlich. „Schon die kalten Temperaturen derzeit sprechen dagegen.“ 2001 war F. kurz nach einem Bankraub in einem Wald bei Osnabrück verhaftet worden. Er hatte sich dort versteckt. 750 000 D-Mark hatte F. zwischen 1993 und 2001 bei elf Überfällen erbeutet. Im Dezember 2001 wurde er zu elf Jahren Haft verurteilt. Sieben davon saß er ab. Wegen guter Führung wurde er vorzeitig auf Bewährung entlassen.
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