Krefeld: Krefelds Platzproblem
VON SEBASTIAN PETERS - zuletzt aktualisiert: 12.06.2008Krefeld (RPO). Die Seidenstadt hat schöne Gebäude, die Plätze davor sind aber oft unansehnlich. Parteien und Institutsleiter fordern eine Verschönerung der Vorplätze. Auf dem Willy-Göldenbachs-Platz wird gezeigt, wie es geht.
Der Platz vor dem Rathaus war schon mal schöner. Damals, als das Rathaus noch ein Schloss war. Kleiner war die Fläche, mit Kopfstein gepflastert, zwei Bäume standen darauf. Schick sah das aus. Wer heute auf die erste Adresse der Stadt schaut, entdeckt: Tristesse. Eine Wüste aus Beton, auf der im günstigsten Fall Kinder Fußball spielen. Nicht wesentlich schöner sind die Vorplätze von Mediothek, Kaiser-Wilhelm-Museum, Dionysiuskirche und Hauptbahnhof. Der Schluss liegt nahe: Krefeld hat in der Innenstadt ein Platzproblem.
„Verschönerung ist nötig“
Diesen Missstand hat die Politik jetzt erkannt. Krefelds Grüne fordern eine Verschönerung des Vorplatzes vor dem Kaiser-Wilhelm-Museum. Rolf Rundmund (Grüne): „Das würde den ganzen Westwall aufwerten.“ Selbst KWM-Chef Dr. Martin Hentschel sagt: „Der Vorplatz vor dem Museum bedarf einer Verschönerung, ohne Zweifel. Er lässt massiv zu wünschen übrig.“ Ähnlich äußert sich Helmut Schroers, Leiter der Mediothek, über den Vorplatz seines Hauses: „Ich würde lügen, wenn ich sagte, dass mir der Platz vor der Mediothek gefiele. Ich hoffe, dass der Theaterplatz bald verschönert wird.“
Es geht auch grüner
Am 21. Juni wird der Willy-Göldenbachs-Platz offiziell eröffnet. Schon jetzt hat das Areal einige Freunde gefunden. Auf diesen setzt sich neuerdings zum Beispiel Dr. Martin Hentschel gerne.
Auch der OB Gregor Kathstede mag den Platz: „Ich liebe kleine Plätze, dezente Nischen. Das muss nicht immer der ganz große Wurf sein.“
Rolf Rundmund von den Grünen sagt: „Wir haben uns zwar für eine volle Begrünung ausgesprochen. Dennoch halten wir die aktuelle Variante durchaus für gelungen.“ Auch dem SPD-Stadtentwicklungsexperte Jürgen Hengst gefällt der Platz. Er hofft noch immer, dass anstelle des geplanten Parkpraumes auch der Rest begrünt wird: „Ich bin mir immer noch sicher, dass wir die Mehrheitsfraktion davon überzeugen können.“
Baudezernent Thomas Visser hat Verständnis für die Einwände der Institutsleiter: „Ja, die Plätze sind nicht mehr alle auf der Höhe der Zeit.“ Sein Chef, Oberbürgermeister Gregor Kathstede (CDU), bezeichnet sich selbst als einen „Platzmenschen“. Weil er sich während seiner Zeit in Frankreich für südländische Plätze begeisterte, habe er die Initiative für den Willy-Göldenbachs-Platz angestoßen.
An dieser Stelle zeigt sich, wie ein gelungener Grünfleck aussehen kann. Dem SPD-Stadtentwicklungsexperten Jürgen Hengst gefällt das Projekt Göldenbachs-Platz. Er fordert: „Wir müssen weitere Plätze angehen.“ Hengst hofft, dass solch eine Gestaltung für die Belebung der Innenstadt sorgt: „Das könnte die Quartiere aufwerten.“ FDP-Fraktionssprecher Joachim C. Heitmann sieht ebenfalls Gesprächsbedarf. Er plädiert für den Bau eines Kongresszentrums an der Ostwallseite des Theaterplatzes; im Zuge dessen könnte auch der Theaterplatz verschönert werden. Auf einen Investor setzt er auch bei der Neugestaltung des Platzes um die Dio-Kirche: „Da müssen wir mit dem Investor Volksbank sprechen.“ Beim Hauptbahnhof hofft er auf die Zusammenarbeit mit der Bahn. Aber: In Plätze investieren könne jeder, argumentiert Heitmann. Sie dann aber auf Dauer schön zu halten, sei das Problem: „Deshalb bin ich, wie auf Uerdingens Marktplatz geschehen, für eine maßvolle Begrünung.“
Womöglich werden die Krefelder von ihren Plätzen demnächst häufiger hören. Joachim C. Heitmann glaubt jedenfalls, dass sie einem echten Schlager im Kommunalwahlkampf werden könnten.
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