Krefeld: Kunst aus der Tüte
VON HANS-DIETER PESCHKEN - zuletzt aktualisiert: 23.02.2011Krefeld (RPO). "Work.Buy.Consume.Die." heißt der Titel der Ausstellung, die Iris van Bebber und Uwe Bülles in der Kulturfabrik ab Sonntag zeigen. Die beiden präsentieren sich dabei als blinde Konsumenten.
Was tut der Mensch in dieser Welt? Was die Philosophen immer noch nicht beantwortet haben, wird von Iris van Bebber und Uwe Bülles mit fotografischen Arbeiten erklärt. "Work.Buy.Consume.Die." nennen sie ihre Ausstellung in der Kulturfabrik; sie zeigen sich dabei gleichzeitig als Modell und Fotograf. "Es geht ums Besorgen und Entsorgen, es geht um uns", sagt Uwe Bülles.
Der 1948 geborene Krefelder Künstler arbeitet nicht zum ersten Mal mit seiner Xantener Kollegin Iris van Bebber (geb.1972) zusammen, die bereits als Fotografin, Malerin und Multimedia-Künstlerin Erfahrung – bis zu Ausstellungen in Kirgisistan – hat. Als "blinde Konsumenten" präsentieren sie sich. Auf 160 kleinen Fotos sind sie mit einer Tüte über dem Kopf abgebildet. Einkaufstaschen aus Papier und Plastik, selber "eingekauft" oder von einem Krefelder Sammler entliehen, zeigen internationales Konsumentenverhalten. Die Tüten stammen aus einem irischen Supermarkt, aus dem New Yorker "MOMA" und dem Guggenheim-Museum, aus hiesigen Textilläden und von Lebensmittel-Discountern. Von "edel bis profan", alles ist vertreten.
Köpfe unerkennbar
Der Betrachter kann Beziehungen zwischen den Tüten finden, und das Konzept der Zusammenstellung suchen. Die Köpfe unter den Tüten bleiben bis auf wenige Ausnahmen unerkennbar; einmal reckt Uwe Bülles die Hand mit dem V-Zeichen hoch. Die Menge dieser Tüten-Porträts führt nicht zu einem erhöhten Erkenntnisgewinn, die ästhetischen Varianten der Tüten-Gestalter bezüglich Schrift und Logos allerdings lassen einen vergnüglichen Konsum und ein Entziffern der kopfstehenden Schriften auf den Exponaten zu. Mittelgroße Formate (90 mal 90 Zentimeter) spielen das Konzept des Verbergens weiter, sie führen ebenfalls den "Unbekannten Konsumenten" vor.
Auf den großen Fahnen, sie sind 205 Zentimeter hoch, stellt sich das Künstler-Duo als in den Sack gesteckte Menschen in etwas mehr als Lebensgröße dar. Aufrecht stehend haben sie sich Kartoffelsäcke übergestülpt, Papiersäcke und blaue und gelbe Abfallsäcke. Die Beine ragen heraus, das männliche Sack-Model trägt schwarze Socken. Nur einige bleiche Zehen oder eine Hand ragen aus den grauen Leichensäcken, in die sie sich auch verpackt haben, und die einen Zettel mit Namen der Inliegenden und Aufnahmedatum tragen. Dieser makabren Verbildlichung zur End-Entsorgung des Konsum-Menschen stehen aber auch die lebendigen Künstler gegenüber. Sie sind nur mit durchsichtigen Abfallsäcken "bekleidet", einzig die schwarzen "männlichen" Socken verweisen wiederum auf eine stabile Konsumentenhaltung. Auf Cindy Sherman und Yoko Ono wollen sie sich in ihrer Arbeit beziehen, aber auch an die Fotos von Helmut Newton ist zu denken.
Ergänzt wird das optische Angebot durch Papiertaschen und dem Geräusch zusammengeknüllter Tüten. Damit auch zu hören ist, was der Mensch in dieser Welt tut.
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