Krefeld: Kurfürst glanzvoll restauriert
VON HANS DIETER PESCHKEN - zuletzt aktualisiert: 09.12.2010 - 13:00Krefeld (RPO). Zwei Werke aus dem Museum Burg Linn sind aufwendig restauriert worden. Das Bildnis von Clemens August, dem Landesherren von Linn im 18. Jahrhundert, hängt nun wieder im Jagdschloss.
Er hängt wieder an der Wand im Linner Jagdschloss, der "aufgefrischte Kurfürst": Clemens August (1700 – 1761), auch Kölner Erzbischof, wird von Museums-Chef Christoph Reichmann als "fiktiver Erbauer" des Gebäudes in der Vorburg benannt, jedenfalls war er von 1723 bis 1761 Landesherr und hat auch in Linn gejagt. Das auf Leinwand gemalte Ölbild aus der Zeit, eines von vielen wie sie in seinen Schlössern und Residenzen hingen, hatte schwer gelitten. Jetzt ist es restauriert worden.
Der Firnis war vergilbt, der Bildträger hatte Beulen und Löcher und alte Überarbeitungen und das Aufziehen der Leinwand auf Holz hatten dem Bildnis ebenfalls zugesetzt. Sabine Allroggen und Andreas Hoppenrath, Restauratoren mit Werkstatt in Rommerskirchen, brauchten etwa 35 Stunden, um dem Kurfürsten wieder Glanz zu verschaffen. "Die Besucher haben mehr Respekt, wenn die Objekte wertig aussehen", sagen die Fachleute.
Das Museum
Museumszentrum Burg Linn mit Burg, Jagdschlösschen in der Vorburg und Niederrheinischem Landschaftsmuseum, Rheinbabenstraße 85.
Geöffnet Dienstag bis Sonntag von 11 – 17 Uhr.
Jagdschloss aus dem Barock mit eingerichteten Krefelder Bürgerzimmern aus dem 18. und 19. Jahrhundert und einer Sammlung historischer mechanischer Musikinstrumente.
Geflickte Risse
Viel besser als zuvor sieht auch der Wandschirm aus der bürgerlichen Wohnwelt der 1920er Jahre aus, der in das Von-der-Leyen-Schlafzimmer gehört. Er besteht aus zwei Leinwänden, die jeweils mit einem auf einem Sims stehenden, rosenumrankten Pokal in Tempera-Malerei, offenbar von zwei Malern in einer Manufaktur, gestaltet sind. Ein Drittel der Flächen war verloren, es mussten Löcher und Durchstoßungen, Schnitte und Risse "geflickt" und Fehlstellen gekittet und retuschiert werden. Die Leinwände hatten an Spannung verloren, sie wurden voneinander getrennt, um auch die Rückseiten bearbeiten und eine Stütze einbauen zu können. Aus zuerst 100 angesetzten Arbeitsstunden wurden so schnell 150. "Jetzt hat der Schirm die Möglichkeit, noch 200 Jahre zu überstehen", sagt Hoppenrath.
Mit der Restaurierung der beiden Stücke sind die wichtigsten Vorhaben aus der Prioritäten-Liste verwirklicht. Aber auch die letzten von der Stadt dafür eingesetzten Mittel sind verbraucht. "Wir müssen uns auf lange Sicht um die Konservierung aller Sammelobjekte kümmern, das ist unser öffentlicher Auftrag", sagt Museums-Vize-Chef Christoph Dautermann. Das gilt auch für die Sammlungsteile, die nicht ausgestellt sind, sondern im Magazin lagern. Möbel und Skulpturen sind demnächst dran, aber dann ist das Museum auf private Spenden angewiesen. "Dafür wollen wir sorgen, wie wir es bisher auch schon getan haben", sagt Heide Gerritzen vom Förderverein der Museen, der bisher etwa 13 000 Euro aufbrachte: "Wenn es um konkrete Objekte geht, finden sich eher Spender". Nach der Sanierung des Jagdschlosses ist es wieder von außen ansehnlich, und, so Christoph Reichmann: "Dazu gehört auch ein sanierter Inhalt." Den Pomp und Prunk, den Clemens August zeitlebens pflegte, werden die Besucher trotz eines restaurierten Kurfürsten im Jagdschloss in Linn jedoch nicht erleben.
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