Krefeld: KWM: Alles muss raus
VON PETRA DIEDERICHS - zuletzt aktualisiert: 07.11.2007Krefeld (RPO). Helga Lauffs will ihre Sammlung bis zum Jahresende aus den Krefelder Kunstmuseen zurückhaben. Die Stadt will klagen – auch auf Kunstzerstörung, weil eine Beuys-Installation auseinander gerissen wird.
Kulturdezernent Roland Schneider spricht von einer persönlichen Niederlage. Museumsdirektor Dr. Martin Hentschel beschreibt seine Gefühle als bitter: Nach fast 40 Jahren will die Kunstsammlerin Helga Lauffs ihre Dauerleihgaben zurück und hat sich dabei unerbittlich gezeigt: Kein Filetstück der 385 Werke umfassenden frühen Sammlung will sie hier lassen. Keinen Yves-Klein, keinen Beuys.
„Wir haben Stunden lang versucht, sie umzustimmen oder wenigstens den Kern der Sammlung in eine Stiftung einzubringen – ohne Erfolg“, erklärt Schneider. Bis zum Jahresende will sie ihre Sammlung abziehen. „Das ist für uns nicht machbar“, meint der Kulturdezernent. Nun will die Stadt rechtliche Schritte einleiten. „Unsere Anwälte meinen, es bestehe ein mündlicher Vertrag für die Dauerleihgabe“, erklärt Schneider. Und da müsse auch über Fristen geredet werden.
Weiter in der ersten Liga
Was Museumsdirektor Hentschel mehr verdrießt ist, dass der Krefelder Beuys-Block zerstört würde. Die Installation des Künstlers sei im Museum verortet. Es könne nicht im Sinne der Kunstinterssierten sein, das auseinander zu reißen. Er bedauert, dass die Gönner aus Bad Honnef auch schon früher kein offenes Ohr hatten, wenn es um das Museum gegangen sei: „In 40 Jahren hat es nicht eine einzige Zuwendung gegeben, das ist bei anderen Sammlern anders“, erklärt Hentschel. Die Lauffs hätten immer abgelehnt, sich für das Haus finanziell oder mit einem Kunstwerk zu beteiligen.
Von der guten, überregional gelobten Ankaufspolitik des damaligen Museumsleiters Paul Wember hat die Sammlung Lauffs profitiert. Aber auch das Museum, wie Hentschel und Schneider betonen: „Das Museum ist nicht leer. Wir haben etwa 12 000 Werke – vom späten Mittelalter über die Klassische Moderne bis heute.“ Und mit Arman, Christo, Yves Klein, Sol Le Witt, Richter, Oldenburg... könne man in der Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts weiterhin in der ersten Liga spielen.
Hentschel: „Ohne das Gespür und die Kenntnis Wembers wäre die Sammlung nie zustande gekommen.“ Dass die Sammlerin ihre Entscheidung mit dem Zustand des Museums begründet, hält Schneider nicht für überzeugend, aber für markant: „Ich habe die Politiker früh und immer wieder gewarnt, das Renommee Krefelds als Kunststadt nicht zu gefährden – wohl wissend, dass Frau Lauffs das sorgfältig beobachtet.“ Und er warnt mit Blick auf alle Krefelder Museen: „Wenn sie ihre Bedeutung behalten oder zurück gewinnen sollen, müssen sie finanziell vernünftig ausgestattet sein. Nicht nur für Ankäufe, sondern auch für Ausstellungen.“
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