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Krefeld: Land kauft Krefelder Professor zurück

VON SEBASTIAN PETERS - zuletzt aktualisiert: 25.05.2011

Krefeld (RPO). Sebastian Kaiser war als Wissenschaftler in den USA am renommierten Sandia-Institut tätig. Das Land NRW hat den 37-Jährigen mit einem speziellen Förderprogramm für Spitzenforscher zurückgeholt. Kaiser ist nun Professor in Duisburg und wohnt wieder näher bei den Verberger Eltern.

Sebastian Kaiser kommt gebürtig aus Verberg. Unser Bild zeigt ihm vor dem bekannten Verberger Restaurant "Gut Heyenbaum" – nach vielen Jahren in den USA freut sich Kaiser, wieder näher bei seiner Familie wohnen zu können; das Landesprogramm macht es möglich.   Foto: RPO
Sebastian Kaiser kommt gebürtig aus Verberg. Unser Bild zeigt ihm vor dem bekannten Verberger Restaurant "Gut Heyenbaum" – nach vielen Jahren in den USA freut sich Kaiser, wieder näher bei seiner Familie wohnen zu können; das Landesprogramm macht es möglich. Foto: RPO

1,25 Millionen Euro hat sich das Land Nordrhein-Westfalen die Rückholaktion kosten lassen. Exakt diese Fördersumme erhält der Krefelder Professor Sebastian Kaiser (37) für seine Rückkehr von Kalifornien nach Deutschland. Zehn Jahre forschte er an den renommierten "Sandia National Laboratories" im kalifornischen Livermore an Verbrennungstechnik. Seit neuestem hat er an der Universität Duisburg-Essen eine Professorenstelle. Das Land hat Sebastian Kaiser mit zwei anderen Forschern aus Nordrhein-Westfalen unter einer Vielzahl von Bewerbern für ein Wissenschaftsförderprogramm ausgesucht.

Info

Rückkehrerprogramm

Das Programm steht Wissenschaftlern aller Fachrichtungen offen, die

– in ihrem Fachgebiet exzellente Forschung vorweisen können

– über eine qualifizierte Promotion verfügen, die in der Regel nicht länger als sechs Jahre zurückliegt, – seit mindestens 24 Monaten im Ausland forschen.

Um den Forschungsstandort NRW zu stärken, gönnt sich die Landesregierung seit vier Jahren ein besonderes Fördermodell: Das "Programm zur Förderung der Rückkehr des wissenschaftlichen Spitzennachwuchses aus dem Ausland" des Landes Nordrhein-Westfalen bietet der Wissenschaftselite im Ausland die Chance, eine selbstständige Nachwuchsgruppe an einer NRW-Universität ihrer Wahl aufzubauen.

Jeder Gruppe stellt das Land über einen Zeitraum von fünf Jahren bis zu 1,25 Millionen Euro zur Verfügung. Gefördert werden neben der Leiterstelle alle für die Forschungsarbeiten notwendigen Mittel für Personal, Geräte, Verbrauchsmaterial und Reisen – eine Riesenchance für den Krefelder.

Verberg, Aachen, Yale

Sebastian Kaiser wuchs in Krefeld-Verberg auf, wo seine Eltern noch heute wohnen. Er machte 1993 sein Abitur am Moltke-Gymnasium, studierte dann an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule in Aachen. Seine Promotion legte er an der berühmten amerikanischen Yale Universität ab. Danach arbeitete er am Sandia-Institut in Kalifornien. 2009 war das NRW-Förderprogramm im Bereich Energietechnik ausgeschrieben; Kaiser bewarb sich auf Anraten von Professor Dr. Christoph Schulz von der Universität Duisburg-Essen. "Ich hatte mir gleich gute Chancen ausgerechnet", sagt Kaiser.

Seine Ehefrau Julia (36), die er in Amerika kennenlernte, hat Sebastian Kaiser mit nach Krefeld gebracht. Ein wenig vermissen beide die alte Heimat noch. "In Kalifornien konnte man sehr gut leben, ich vermisse vieles an Amerika, die Berge und meine Freunde", sagt Kaiser. "In Kalifornien war ich in drei Stunden im Yosemite Nationalpark, hier bin ich in drei Stunden im Sauerland." Flächenmäßig ist Kalifornien so groß wie Deutschland, hat aber die Hälfte der Einwohner.

Für den Verbrennungsforscher ein spannender Bundesstaat: "Eine unglaublich auto-orientierte Gesellschaft" nennt Kaiser die Kalifornier. Deshalb habe Kalifornien wegen starker Smogprobleme in den Fünfzigern als erster US-Bundessstaat eine moderne Abgasgesetzgebung eingeführt.

Kaiser forscht auf dem spannenden Gebiet der Verbrennungstechnik - für Laien hört sich das zunächst sehr theoretisch an. Kaiser sagt aber: "Verbrennung ist überall, vom Mobilitätssektor über Heizungstechnik bis hin zum Kraftwerk."

Seinen Wunsch nach einer Rückkehr nach Deutschland bezeichnet er als "eine Mischung aus professionellen und persönlichen Gründen." Es war auch die Familie, die Kaiser zurück nach Deutschland trieb. "Ich wollte nach zehn Jahren im Ausland auch wieder näher bei meinen Eltern wohnen. Ohne das Rückkehrerprogramm wäre ich aber wahrscheinlich noch länger in Kalifornien geblieben."

In Duisburg forscht Sebastian Kaiser seit wenigen Wochen am "Institut für Verbrennung und Gasdynamik (IVG)" in der Fakultät für Ingenieurwissenschaften. Das Institut mit 50 Mitarbeitern wird von Professor Dr. Christof Schulz geleitet. Die Wissenschaftler dort beschäftigen sich mit einem breiten Themenspektrum von Verbrennungsprozessen.

Von den 1,25 Millionen Euro will Kaiser mehrere Mitarbeiter und sein Gehalt bezahlen. Ein Schwerpunkt seiner Tätigkeit in Duisburg wird es sein, einen durchsichtigen "optischen" Verbrennungsmotor aufzubauen, an dem die Verbrennungsprozesse im Motor beobachtet und mit Lasern gemessen werden können. Kaiser: "Einige der im normalen Motor aus Metall gefertigten Teile sind in diesem Motor durch Quarzglas ersetzt." Kaisers Team betreibt die Basis-Forschung an den Verbrennungsprozessen. Die Erkenntnisse dienen zum Beispiel der Autoindustrie zur Verbesserung der Motoren.

Näher bei den Pinguinen

Der Krefelder Professor bezeichnet Verbrennungsmotoren als Brückentechnologie - "aber das ist eine Technologie, die uns trotz Elektroauto noch lange erhalten bleiben wird." Demnächst wird Sebastian Kaiser mit seiner Frau Julia, die derzeit Deutsch lernt und bei einem internationalen Biotechnologie-Unternehmen arbeitet, nach Mülheim ziehen. Der Weg nach Krefeld ist nicht weit, was Kaiser auch aus einem speziellen Grund freut. Er ist großer Eishockey-Fan, hielt sich schon in den USA über die Krefeld-Pinguine auf dem Laufenden. Seitdem er in Duisburg ist, hat er viele Play-Off-Spiele live verfolgt.

Quelle: RP

 
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