Krefeld: Laternen: Sparen ist zu teuer
VON MARTIN RÖSE - zuletzt aktualisiert: 03.09.2008Krefeld (RPO). Würde die Stadt alle 15.000 energiefressenden Laternen erneuern, könnte sie jährlich 632.000 Euro Strom- und Wartungskosten sparen. Aber dafür fehlt das Geld. Nun sollen nur 60 erneuert werden. Ersparnis: 1948 Euro.
Als an der Buddestraße in Oppum die aktuellen Laternenmasten installiert wurden, hatte noch kein Mensch je einen Fuß auf den Mond gesetzt, hieß der Bundeskanzler noch Konrad Adenauer, kostete der Liter Benzin umgerechnet nur 30 Cent, erschütterte gerade der Contergan-Skandal Deutschland. Lange liegt das zurück.
1962 war das. Seither rosten die Laternenmasten vor sich hin. „Es besteht dringender Handlungsbedarf“, heißt es in einem Bericht der Verwaltung, der heute im Bauausschuss diskutiert wird.
Jede zweite Laterne älter als 30
Die Politiker werden lesen können, dass die Laternen an der Buddestraße kein Einzelfall sind. Mehr als die Hälfte aller Straßenlampen ist mittlerweile älter als 30 Jahre. Das sind rund 15 000 Exemplare. Die Verwaltung wird den Politikern vorrechnen, dass die Stadt pro Jahr mehr als 630 000 Euro Strom- und Wartungskosten sparen könnte, wenn diese Laternen erneuert würden.
Und dann werden die Politiker eine Beschlussvorlage vorfinden, in der sie eben das nicht beschließen sollen, sondern nur: die Erneuerung von 60 Lampen. Kostenersparnis: spärliche 1948 Euro.
Grund für die vornehme Zurückhaltung: „Die kurzfristige Erneuerung aller Leuchten über 30 Jahre ist derzeit nicht finanzierbar“, erklärt Hartmut Könner, Leiter des Fachbereichs Tiefbau. Dafür wäre ein zweistelliger Millionenbetrag fällig. „Wegen der begrenzten Haushaltsmittel wird eine Erneuerung nur dann durchgeführt, wenn der aktuelle Zustand der Beleuchtungsanlage dies erfordert“, sagt Könner.
Allein der Austausch der 60 Laternen kostet mindestens 213 000 Euro. Kosten, die laut Kommunalem Abgabegesetz NRW auf die Grundstückseigentümer umgelegt werden können – allerdings im Schnitt nur 40 Prozent. „Das macht pro Grundstück zwischen 100 und 500 Euro aus, hängt unter anderem von der Größe des Grundstücks und der Etagenzahl des Hauses ab“, erläutert Könner. Den Rest der Investitionssumme trägt die Stadt. Und dafür fehlt Krefeld derzeit das Geld.
„Es ist nicht nachvollziehbar, dass bei einem derartigen Einsparvolumen die Stadt keine Lösung findet, die Investitionssumme vorzuschießen“, sagt Bauausschuss-Vorsitzender Rolf Rundmund (Grüne). Seine Fraktion setzt sich für ein so genanntes Contracting-Modell mit den Stadtwerken ein – dabei treten die SWK für die klamme Stadt bei den Investitionen in Vorleistung.
„Wir waren viele Jahre durch das Haushaltssicherungskonzept dauerhaft eingeschränkt“, entschuldigt Könner die fehlenden Investitionen. Derzeit werde gemeinsam mit den Stadtwerken das Investitionsprogramm „Licht für Krefeld“ entwickelt. Im Oktober soll es den Politikern vorgestellt werden.
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