Krefeld: Lebenslang für Fred W.
VON SEBASTIAN PETERS - zuletzt aktualisiert: 19.08.2009 - 07:50Krefeld (RPO). Einen „kaltblütigen Mörder“ nannte der Richter den Mann, der den Autohändler Askin U. ermordet haben soll. Der Angeklagte hüllte sich gestern zum Abschluss in Schweigen. Er wird womöglich mehr als 25 Jahre einsitzen.
Das Urteil „lebenslang mit besonderer Schwere der Schuld“ nahm Fred W. emotionslos zur Kenntnis. Er blickte auf den Boden und bewegte den rechten Zeigefinger immer zum Auge. Dort wischte er aber nicht etwa Tränen weg, sondern schob nur fortwährend seine rutschende Brille hoch. Der Mann, den Richter Herbert Luczak zum finalen Prozesstag einen „kaltblütigen Mörder ohne Mitleid“ nannte, wird wahrscheinlich mindestens 25Jahre einsitzen müssen. Das Gericht sieht im 45-Jährigen den Mörder des Autohändlers Askin U. Fred W.s Verteidiger kündigte aber schon an, in Revision zu gehen.
Restlos aufgeklärt wird das Verbrechen, das am Morgen des 19.Mai 2008 an der Hafelsstraße geschah, vielleicht nie. Neue Hinweise könnte lediglich ein anderer Mord bringen, den Fred W. an einem Autohändler in Belgien begangen haben soll. Doch die dortige Justiz will den Krefelder Ermittlern nicht helfen, der Prozess in Belgien hat noch nicht begonnen.
Von 9 bis 15.45Uhr dauerte gestern der letzte Prozesstag. Höchste Sicherheitsstufe vor Saal 157des Landgerichts, massives Polizeiaufgebot, knapp hundert Besucher, darunter viele Medienvertreter. Alle werden mit Metalldetektoren durchsucht. Fred W. hatte im Vorfeld des Prozesses seinen Ausbruch aus einer JVA in Krefeld und Köln geplant. Danach wurde er nach Wuppertal verlegt.
Der Vorsitzende Richter Richter Herbert Luczak äußerte die Befürchtung, dass Fred W. die nächste Flucht schon planen könnte: „Sie sind jetzt gefährlicher denn je, Sie werden den braven Gefangenen geben, um Haftlockerungen zu erreichen. Dann werden Sie sich wieder befreien lassen wollen und es wird Verletzte geben.“ Deshalb ordnete der Richter an, dass jede Hafterleichterung von ihm genehmigt werden müsse, und: „Es wird von mir keinerlei Lockerungsmaßnahmen geben.“ Dass der Richter Fred W. derart scharf attackierte, hat mit der Vorgeschichte zu tun.
Mehrmals narrte der Angeklagte die Justiz. Seit den Neunzigern hat er vier Banküberfälle begangen, hinterließ am Oppumer Tatort DNA an Waffe, Schalldämpfer und Opfer. Trotzdem verzettelte er sich in Rechtfertigungen und irritierte so den Richter. Denn nachdem W. gegenüber Eltern und Ex-Frau die Schuld eingestanden haben soll, dementierte er dies nach der Festnahme auf Mallorca gegenüber der Polizei. In der Vernehmung sagte er zunächst, ein Niederländer namens „Paul Verhoeven“ sei der wahre Täter. Später revidierte er abermals: Der Täter sei ein Türke namens „Paul“. Fred W. selbst habe bei der Tat nur Schmiere gestanden. Auch gestern sagte er zum Abschluss des Urteils: „Den Mord habe ich nicht begangen. Der wahre Täter läuft frei herum. Er hat auch das Geld, was bei der Tat erbeutet wurde“ Doch die Einlassung konterte der Richter nur: „Absurd“.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







