Krefeld: Lichterstadt am Rhein
VON BÄRBEL KLEINELSEN - zuletzt aktualisiert: 03.08.2007Krefeld (RPO). Wenn sich Dunkelheit über die Bayer-Stadt senkt, sieht das Industriegelände futuristisch aus. Die beleuchteten Hallen wirken seltsam ausgestorben. Auch am Rhein genießt kaum ein Mensch die endlich eingekehrte Ruhe.
Der Weg führt in eine andere Welt. Wer zu nächtlicher Stunde die Rheinuferstraße in Uerdingen entlang radelt, taucht eine in eine futuristisch wirkende Industrielandschaft. Die Produktionshallen im Chemiepark sind gelb-grün angestrahlten, das Bayer-Kreuz leuchtet. Der Radler kommt sich klein vor angesichts der riesigen Gebäude. Ein Drahtesel steht verlassen auf dem abgesperrten Gelände, lässig an eine Mauer gelehnt, ohne jede Sicherung dennoch vor Dieben geschützt. Wer jetzt noch arbeitet, der tut es im Verborgenen.
Die Radfahrer umfängt Stille. Nur selten sind Motorengeräusche zu hören, wenn sich ein Auto in diesen entlegenen Winkel des Rheinstädtchens verirrt. Das Bayer-Casino ist in Dunkelheit getaucht. So spät nachts sind auch die längsten Sitzungen endlich beendet, wird kein Mitternachts-Snack mehr gereicht. Erst am Morgen pulsiert in den Veranstaltungsräumen mit Blick auf den Rhein wieder das Leben, holen sich Mitarbeiter und Besucher in dem Gastronomie-Bereich Kaffee oder Latte Macchiato, um den Schlaf zu vertreiben.
Der Fluss hat sich zur Ruhe gebettet. Leise plätschert das Wasser gegen die Steine am Ufer. Manchmal hat es ungebetene Gäste, die es an Land spült: eine leere Zigarettenschachtel, Plastik-Flaschen, Einweg-Taschentücher. Einige dieser Gegenstände geben Rätsel auf. Was ist der Zahnbürste passiert, dass sie im Rhein gelandet ist? Hat sie ein junger Mann verloren, der sich nach einer Grill-Party am Fluss in den frühen Morgenstunden dort schnell die Zähne putzen wollte? Die Radler werden es nie erfahren und fahren weiter.
Die Brücke über den Rhein ist ein Blickfang. Kaum ein Auto nutzt sie zu dieser späten Stunde. Nur hin und wieder leuchten Scheinwerfer auf, die aus der Ferne kaum zu erkennen sind. Die Radler nähern sich den Lichtern der Stadt und verlassen das Rheinufer. Auf eine Promenade am Fluss dürfen sie nicht hoffen. Dafür genießen sie den Blick auf die zahlreichen schönen Fassaden, die gemauerten Zeugen einer längst vergangenen Zeit.
Ein Mann mit Dackel
Ein Mann mit einem Hund geht hoffentlich zum letzten Mal in dieser Nacht mit seinem Vierbeiner Gassi. Im Gegensatz zu seinem Dackel wirkt er wenig begeistert. Missmutig wartet er an einem Rasenstück, dass der Waldi sein Geschäft erledigt. Die Radler grüßen mitfühlend. Auch sie haben für diese Nacht genug gesehen. Bayer im Rücken, strampeln sie gen Heimat. Die Couch ruft.
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