Krefeld: Löcher: Politisches Nachbeben
VON MARTIN RÖSE - zuletzt aktualisiert: 17.10.2009Krefeld (RPO). Die Hohlräume an der Hülser Straße werden Thema in Rat und Bezirksvertretung. Die Stadt hat einen weiteren Bereich wegen Einsturzgefahr abgesperrt. Als nächstes wird nun die Philadelphiastraße auf Löcher untersucht.
Der Pfusch am Bau an der Hülser Straße wird ein politisches Nachspiel haben. SPD und Grüne fordern, dass der neu konstituierte Rat unverzüglich über die Hintergründe der Hohlräume informiert wird. Sie verlangen zudem, dass die Stadtverwaltung den Politikern ihr derzeitiges Baucontrolling darstellt. Als erstes politisches Gremium wird sich in elf Tagen die Bezirksvertretung Nord den Hohlräumen widmen. Die CDU-Fraktion möchte klären, welche Unterstützung den Anwohnern und Geschäftsinhabern an der Hülser Straße gegeben werden soll.
An der Hülser Straße waren in der vergangenen und in dieser Woche insgesamt acht Hohlräume mit einer Tiefe von bis zu sechs Metern unter der Fahrbahn entdeckt worden. Die Straße muss für ein halbes Jahr gesperrt werden. Die Stadt hat am Donnerstagabend einen weiteren Bereich kurz hinter der Weyerhofstraße gesichert. "Dort ist ein weiteres Loch entdeckt worden, das sich bis unter den Gleisbereich erstreckt", erklärte Hartmut Könner, Fachbereichsleiter Tiefbau. Dort herrsche klar eine Gefahrenlage. Die Straßensperrung wurde weiter verschärft. Auch Anwohnern ist die Zufahrt zu ihren Häusern und Geschäften nun nicht mehr gestattet.
Die Linie 044
Busse Bis Ende der Herbstferien fahren Busse auf der gesamten Strecke der Straßenbahnlinie 044.
Platzangebot Während die Straßenbahn mehr als 140 Fahrgästen Platz bietet, passen in den Gelenkbus nur gut 100 Passagiere.
Ursache der Hohlräume ist nach Angaben der Stadtwerke Krefeld Pfusch am Bau: Bei Kanalbauarbeiten wurde der Hohlraum nur unzureichend mit Flüssigbeton verfüllt. Die ausführende Baufirma Kamper existiert nicht mehr. Die Stadt befürchtet, dass auch in Abschnitten an anderen viel befahrenen Straßen – Philadelphiastraße, Marktstraße, Friedrichstraße und Hochstraße – nach derselben Weise vorgegangen worden sein könnte.
"Wir haben die Erkenntnis, dass die Firma Kamper nur an der Philadelphiastraße einen Kanal über eine Länge von 85 Metern erstellt hat", erklärte eine Sprecherin der Stadtwerke gestern auf Anfrage. "Dieser Kanal hat bei der Überprüfung für uns jetzt Priorität eins."
Grünen-Ratsherr Rolf Rundmund zeigte sich über die Hohlräume wenig erstaunt. "Dass in diesem Bereich einiges nicht in Ordnung war, zeigten schon vor Jahren alte Berichte des Rechnungsprüfungsamtes zum Kontrollsystem bei Auftragsabwicklungen, die auf viele Missstände hinwiesen", sagt er. "Auch der Personalabbau gerade in den vergangenen zehn bis 15 Jahren machte eine effektive Überprüfung von Tiefbauarbeiten mehr oder weniger unmöglich."
Bevor nächste Woche die Bauarbeiten an der Hülser Straße beginnen, muss das Gelände zunächst vermessen werden. Die Stadtwerke versuchten gestern mit Hochdruck, Planungsbüros und Baufirmen für die kurzfristigen Baumaßnahmen zu kontaktieren. "Ab einer gewissen Summe muss EU-weit ausgeschrieben werden", berichtete Könner. "Doch bei einer solchen Gefahrenlage gelten Ausnahmeregelungen."
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