Krefeld: Mal anders: Freiluftkino drinnen
VON HANS DIETER PESCHKEN - zuletzt aktualisiert: 23.07.2007Krefeld (RPO). Statt „Open air“ hieß es „indoor“ – die Unwetterwarnung des Essener Wetteramtes hatte Kulturbüro-Chef Jürgen Sauerland-Freer am Freitag ernst genommen, und die Leinwand in Heeder I aufbauen lassen. Tische und Stühle und ein Getränkeausschank erwarteten die Besucher – und ein ziemlich abgedrehtes Programm. Im Vorfilm stritten sich Hippo, Rhino, Krokodil und Horntier nach feinster WG-Manier und anschließend wurde in Kalkutta einer als Hund und Rabe wiedergeboren.
Das war aber noch eher harmlos gegen die „Royal Tenenbaums“, die dann auftraten. Gene Hackmann und Anjelica Huston in den Hauptrollen taumelten durch ein amerikanisches Absurdistan. Erwachsene Kinder oder kindische Erwachsene, in dieser schwarzen Komödie wurden amerikanische Befindlichkeiten und Familienstrukturen, Geniekult und Liebes- und Scheidungsverhalten schräg gegen den Strich gebürstet. Aber eben innen, und nicht draußen.
Am Samstag dann brannten die Teelichter auf den Tischen im Hof, die Zuschauer legten sich eine Wolldecke über die Beine und amüsierten sich über französische Filmstars, über die „Acht Frauen“ des Regisseurs Francois Ozon. Die wollen, von der Großmutter bis zu den Enkelinnen, Köchin und Dienstmädchen, zusammen im zugeschneiten Haus Weihnachten feiern. Die dazugehörige Stimmung kann aber nicht aufkommen, weil der Hausherr mit einem Messer im Rücken im Bett liegt. Immer schneller dreht sich der Kreisel der gegenseitigen Verdächtigungen, die Fassaden der bürgerlichen Anständigkeit bröckeln und stürzen endlich ganz ein. Der Tote im Haus hindert die Damen aber nicht daran, abwechselnd Gesangsnummern darzubieten. Krimi-Grusel und musikalische Revue, dieser Film sprengt die Genres. Und die Damen – darunter Danielle Darrieux, Catherine Deneuve, Isabelle Huppert und Fanny Ardant – spielen theatralisch auf. Große Gefühle und noch größere Nickeligkeiten, Leidenschaft und Hemmungslosigkeit werden dick aufgetragen und komisch und grotesk überzeichnet. Wer tat es? Es gibt nur Verliererinnen, doch keine Mörderin, und erst am Ende ist der Tote wirklich tot.
Kino im Sommer und draußen – am nächsten Wochenende ist es wieder, mit „Dunja“ (Freitag) und „Populärmusik aus Vittula“ (Samstag), jeweils 22 Uhr.
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