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Krefeld: Malerei mit der Nähmaschine

VON PETRA DIEDERICHS - zuletzt aktualisiert: 29.01.2010

Krefeld (RPO). Ab Sonntag zeigt das Deutsche Textilmuseum europäische Quilt-Kunst. Die Schau, die schon in Korea und USA zu sehen war, gibt einen Überblick über aktuelle Trends der Stepp-Kunst. Die Ergebnisse sind höchst unterschiedlich vom textilen Bild bis zum abstrakten Feuerwerk.

Witske Kluck "Flow #2", 147 x 102 Zentimeter Foto: RPO
Witske Kluck "Flow #2", 147 x 102 Zentimeter Foto: RPO

Der "Sommerhimmel" ist aus schönwetterblauer Baumwolle. Davor biegen sich Pusteblumen aus Tüll und Stickerei in einem Lufthauch, der nur durch Steppnähte vermittelt wird: Die Freiburgerin Elsbeth Nusser-Lampe ist mit ihrer 130 x 85 Zentimeter großen Arbeit beim 5. Europäischen Kunst-Quilt-Wettbewerb angetreten – und die Arbeit wurde ausgewählt. 48 Arbeiten sind von einer Fachjury für die Ausstellung "European Art Quilt V" ausgewählt worden – und ab Sonntag im Deutschen Textilmuseum zu sehen.

Krefeld ist die letzte Station für die Wanderausstellung. Zuvor war sie in England, Korea, den Niederlanden, USA und Dänemark. "Das Textilmuseum hat eine großartige Sammlung, die 200 Jahre abdeckt. Es fehlen uns nur zwei Gebiete, die wir nicht sammeln: Teppiche und moderne Textilkunst. Aber die wollen wir natürlich auch präsentieren", sagt Museumsleiterin Brigitte Tietzel. Die Schau gibt nun einen Überblick über aktuelle Trends der Quiltkunst in Europa. Und schon beim ersten Blick ist klar: Es gibt eine unglaubliche Vielfalt an Stilen und auch an qualitativen Unterschieden. Manche Arbeiten erinnern an Buntstiftmalerei, andere sind feinnervige Zeichnungen - meist von der Nähmaschine angefertigt.

Info

Die Ausstellung

Eröffnung Sonntag, 31. Januar, 11 Uhr, im Deutschen Textilmuseum, Andreasmarkt.

Ausstellungsdauer Bis Ende März

Katalog Ein 120-seitiger Katalog mit Farbabbildungen aller Arbeiten und einer CD ist erschienen. Für 12,50 Euro ist er im Museum erhältlich.

Quilten ist eine alte Technik, um Stofflagen zusammenzufügen, damit sie wärmen. Das englische Verb "to quilt" bedeutet steppen. Im 18.Jahrhundert wurden Unterröcke und Jäckchen aus farblosen Stoffen aufeinandergenäht. Die Kombination unterschiedlicher Materialien, Farben und Muster entwickelte sich daraus. Zunächst wurde alles streng geometrisch zusammengefügt, einer Ordnung folgend, die über unterschiedliche Farben räumliche Tiefe schafft und harmonisch aussehen soll. Als Gegenströmung zu akkuraten Geradlinigkeit kamen im 19. Jahrhundert die "Crazy Quilt" in Mode – je ausgefallener desto besser. Heute ist erlaubt, was gefällt. Und das zeigt die Präsentation. Großes handwerkliches Geschick verrät etwa ein Zen-Garten, eine quadratmetergroße Baumwollarbeit von Greti Raffeiner, der mit aufspringenden Nähfalten und roten Stoffzipfelchen, die wie kleine Dächer aus den Stoff-Feldern ragen, den Blick spazieren führt. Die Irin Jane Lloyd hat einen "Storm" mit Farbspiralen aus nepalesischer Baumwolle entfacht, Unterbrechungen und aufgesteppte Bändchen verstärken den Eindruck von Sturm.

Greti Raffeiner "Zen-Garten", 110 x 100 Zentimeter Foto: RPO

Es gibt witzige Arbeiten wie eine Rentierherde, die filzbäuchig über einen lebhaft wellenbestickten schwarzen Untergrund trabt, oder eine eierköpfige Großfamilie mit plastischen Gurkennasen, die in ein Kinderzimmer passen würde. Es gibt poetisch-stille Arbeiten, wo auf teegefärbtem Leinen getrocknete Blätter und Spitze eine zarte Verbindung eingehen oder dunkle Stoffe und Zeitung durch Gazeschleier unergründlich werden. Den Kontrast bieten Quilts, die mit ausdrucksstarken Farben keinen Blick vorbeihuschen lassen. Witske Kluck hat ein solches Farbenmeer handgequiltet.

Einen zweiten Blick ist die Arbeit der Niederländerin Mirjam Pet-Jacobs wert, die mit Stickerei um Antwort auf eine E-Mail bittet und als Anachronismus eine Schreibfeder eingesteckt hat.

Foto
Museumsleiterin Brigitte Tietzel (r.) und ihre Stellvertreterin Isa Fleischmann-Heck vor einem ihrer persönlichen Favoriten der Schau: Jane Lloyds "Storm". Im Hintergrund Arbeiten von Elsbeth Nusser-Lampe und Willy Doreleijers. Foto: RPO
Quelle: RP

 
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