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Krefeld: Mennoniten brachten die Seide nach Krefeld

VON OTMAR SPROTHEN - zuletzt aktualisiert: 29.10.2007

Krefeld (RPO). Am rückwärtigen Portal der Mennonitenkirche verhält Georg Opdenberg einen Moment. „Schauen Sie sich um. Das alte Krefeld maß damals nicht mehr als 300 mal 200 Meter. Und trotzdem lebten hier auf engstem Raum fünf Glaubensrichtungen friedlich miteinander“, sagt der geschichtsbegeisterte Landmesser.

Gut 200 Krefelder machten sich am Samstagvormittag auf Einladung der Mennonitengemeinde in der Innenstadt auf die Suche nach geschichtlichen Spuren der Mennoniten in Krefeld. Zu diesem Spaziergang hat die Gemeinde an diesem Samstag im Rahmen ihres Jubiläums „400 Jahre Mennoniten in Krefeld“ eingeladen.

Einige Straßennamen im alten Kern Krefelds erinnern noch daran, dass neben der mennonitischen die katholische, die reformierte, die lutherische Kirche und die jüdische Synagoge friedlich nebeneinander existierten. Noch in der Mitte des 19. Jahrhunderts stellten die Mennoniten zeitweise ihre Kirche den Altkatholiken zur Verfügung, bis diese eigene Räume gefunden hatte, wobei sie dann selbst während der Renovierung ihrer Kirche in den Räumen der jüdischen Gemeinde unterkamen. An der Kreuzung Königstraße, Ecke Angerhausenstraße weist Opdenberg auf den gradlinigen Verlauf der Königstraße hin. „Die Königstraße ist die Hauptachse der ersten Stadterweiterung Krefelds. Innerhalb einer Generation musste eine weitere folgen, da viele vertriebene Mennoniten unter dem Dach der Oranier Zuflucht suchten“, sagt Opdenberg. Davon hebe sich die mittelalterliche Straßenführung der Angerhausenstraße durch ihre Windungen auch heute noch ab. Die vertriebenen Mennoniten brachten Leinenweberei und –handel, Spinnerei, Bleicherei und Färberei in das unbedeutende Landstädtchen Krefeld. Durch ihren wirtschaftlichen Erfolg erwarben sie sich Anerkennung. „Dafür ist das Krefelder Rathaus ein gutes Beispiel. Nachdem Konrad von der Leyen das Monopol auf die Seidenherstellung gewonnen hatte, errichtete er eine repräsentative Stadtvilla, an die die Produktionsstätten für Seide angegliedert waren. Diese Villa dient heute als Rathaus“, sagt der Stadtführer.

Nach zwei Stunden steht Georg Opdenberg mit seiner Besichtigungsgruppe vor dem Eingang zur Mennonitenkirche. „Bei einem allierten Bombenangriff im Jahre 1943 gingen unersetzliche historische Zeugnisse verloren. Das Eingangsportal der mennonitischen Kirche aus dem Jahre 1712 ist das älteste Bauwerk der Innenstadt.“

Quelle: RP

 
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