Auf diesem und dem vorangegangenen Bild proben Bundeswehr-Soldaten in Afghanistan die sogenannte Staublandung. Im Ernstfall sinken die Hubschrauber bis auf einen Meter über der Erde, dann springen die Soldaten aus dem Helikopter. Für die Aufnahmen musste der Fotograf wegen umherschleuderndem Schutt um seine Kammera fürchten - zum Glück blieb sie unbeschädigt.
Roland Köhler ist der erste und einzige Künstler, der mit der Bundeswehr in die Krisenherde der Welt reist. Er versteht sich nicht als Kriegsberichterstatter, sondern als Abbilder einer anderen Wirklichkeit. Seine Fotos zeigt er nun erstmals – in Krefeld. Wir präsentieren eine Auswahl.
Der Fotograf und Künstler Roland Köhler vor einer Bundeswehr-Maschine. Die nächsten zwei Jahre darf er nicht mehr mit der Bundeswehr nach Afghanistan reisen. Der Grund: "Gewöhnungs-Gefahr". Routine könnte zu Leichtsinn verführen - ein lebensgefährliches Risiko.
Auf seinen beiden Reisen mit der Bundeswehr in Masar-e Scharif machte Köhler zahlreiche bemerkenswerte Aufnahmen. So wie dieses Foto, das an Weihnachten 2008 entstand und die Tauben auf dem Platz vor der Blauen Moschee in Masar-e Scharif zeigt.
Am gleichen Tag entstanden ist dieses Foto, das eine betende Muslimin in Masar-e Scharif zeigt. Die junge Frau hat für das Gebet ihren Schleier hochgeklappt. Tasche und Schuhe zeigen, dass sie nicht zu den unteren Einkommensschichten zählt.
Nur schwer zu erkennen ist der Verkäufer dieser afghanischen Imbissbude Downtown in Masar-e Scharif. Die Jacke in Tarnfarben trügt: Der Mann ist kein Soldat. Für das Foto zog der Fotograf am Weihnachtstag allein durch die afghanische Stadt. Dort war er ganz auf sich gestellt. Nicht einmal sein Handy konnte er benutzen - dafür hätte er eine spezielle Sim-Karte gebraucht.
In der Wartehalle des winzigen Militärflughafens der ISAF-Truppen in Masar-e Scharif ist die Anzeigetafel etwas anders, als man sie von großen Passagierflughäfen kennt. Immerhin: Es gibt eine "Flight-Information" und die Uhrzeiten der wichtigen Orte auf der Welt: Zulu, Termez, "Local" - und "Bei Mama".
Die Sitzmöglichkeiten in der Abflughalle sind allerdings womöglich bequemer als manche Wartestühle in den großen Flughäfen. Dort wartete der Fotograf gemeinsam mit zwei Bundeswehr-Soldaten auf den nächsten Flieger.
Mehrmals begleitete der Fotograf und Künstler die Soldaten auf ihren Patrouillen vor den Toren der Stadt. Im Bild ein "Dingo"-Personenschutz-Fahrzeug. Die schwarz-rot-gelbe Flagge am Heck zeigt an, dass es sich um ein deutsches Fahrzeug handelt. Das rote Schild am Heck ist ein Abstandhalter: "Keep Distance" steht darauf geschrieben.
Heiligabend im afghanischen Hinterland. In drei Fahrzeugen sind die Bundeswehr-Soldaten auf Patrouille unterwegs. Meist fahren sie im Abstand von mehreren hundert Metern, um bei einem Angriff nicht in eine Falle zu tappen. Angst habe er nicht gehabt, sagt Köhler. Aber während sie durch Schluchten fuhren, sei ihm schon gelegentlich mulmig geworden.
Sandsäckedienen zum Schutz an der Personenschleuse zum Camp Marmal, dem größten Feldlager der Bundeswehr in Masar-e Scharif. Der Künstler durfte sich innerhalb des Lagers frei bewegen. Nur das Gespräch mit den Soldaten über Militär-Themen war ihm verboten.
In der Innenstadt von Masar-e Scharif zeigte sich dem Künstler dieses Bild. Das Foto entstand auf einer der Hauptstraßen der Stadt - eine von vielen, die nicht asphaltiert sind.
Ein alter Mann wartet am Straßenrand. An den Fensterscheiben zu sehen: In dem Haus hinter dem Mann ist ein Handygeschäft.
Auch auf diesem Foto sitzen Menschen unter einem Schild. In diesem Fall sind es Bettler, die Passanten um eine Spende bitten. Über ihnen wirbt auf einem Plakat ein Unternehmen für Computerkurse.
Frühmorgens an Heiligabend 2008 zeigte sich dem Künstler die Weite des afghanischen Hinterlands. Von diesem Aussichtspunkt beobachten die ISAF-Truppen die Region. Vorne im Bild eine zerschossene ehemalige Siedlung.
Eine Bundeswehr-Soldatin betreut einen afghanischen Patienten. Sein Sohn (die Hand rechts) hatte ihn mit dem Auto in das Feld-Lazarett der Bundeswehr gebracht.
Das neue Afghanistan: Zuerst werden die Triumphbögen erbaut. Wahrscheinlich wird an dieser Baustelle noch gearbeitet. Ansonsten wären die Gerüste bereits abmontiert worden.