Krefeld: Mord und Liebe beim Opernball
VON SONJA STEMES - zuletzt aktualisiert: 17.09.2007Krefeld (RPO). „Es war die Nachtigall“ hieß das Motto beim Opernball 2007, der ganz im Zeichen Shakespeares stand. Den Zuschauern wurden berührende Arien und boshafte Anekdoten geboten. Ein höchst unterhaltsamer Abend.
50 „Creinvelt-Stühle“
In der Pause der Operngala hatte sich Wilhelm Havermann, Vorsitzender der Gesellschaft Creinvelt, spontan bei Intendant Jens Pesel gemeldet und erklärt, dass die Brauchtumsgesellschaft die Aktion „Stuhlpatenschaften“ unterstützt und 5000 Euro für 50 neue Theaterstühle bereitstellt. Diese Summe hatte UBS Deutschland der Gesellschaft anlässlich deren 80-jährigen Bestehens zur Verfügung gestellt.
Stolz klingt sie, die Stimme des „Romeo.“ Voller Inbrunst berichtet der Entflammte über die Macht der Liebe. Verwandelt habe ihn ihre Glut – und Augen habe er nur noch für seine Julia. Mit spürbarem Gefühl sang Kairschan Scholdybajew „L’amour, l’amour“ aus Gounods „Romèo et Juliette“. Und betritt damit den ersten Gesangspart der Operngala 2007 im Theater Krefeld – „Es war die Nachtigall... Shakespeare und die Oper“.
Die musikalische Leitung lag in den Händen von Graham Jackson und Giuliano Betta. Es spielten die Niederrheinischen Sinfoniker. Durch den Abend führte Generalintendant Jens Pesel und unterhielt mit so mancher spritzigen Anekdote. Zum Beispiel mit einer, die sich auf „Richard III.“ bezog. Aus diesem Werk stammt bekanntlich der Ausruf: „Ein Königreich für ein Pferd!“ Als ein Schauspieler diesen Satz auf einer Bühne, irgendwo auf der Welt, aussprach, habe ein gut gelaunter Zuschauer beherzt gefragt: „Reicht auch ein Esel?“ Worauf der Darsteller spontan antwortete: „Gewiss, kommen Sie doch zu uns herunter!“
Nicht ganz ledig in Venedig
Nicht wenige Komponisten hat Shakespeare, der Mann aus dem englischen Stratford-upon-Avon, inspiriert. Unter anderem Giuseppe Verdi, der Shakespeares Eifersuchtsdrama „Otello“ vertonte. „Der lebte nicht ganz ledig in Venedig“, kommentierte einst Heinz Erhardt. Und Loriot merkte an, dass nur wenige Feldherren das Glück gehabt hätten, lediglich durch die Ermordung ihrer Gattin in die Geschichte einzugehen. „Bei Otello geht es um die Liebesverlassenheit. Und um den verminderten Scharfblick, den die Eifersucht leider mit sich bringt“, ergänzte Pesel. Dara Hobbs sang die berührende Arie der Desdemona „Canzon del Salice.“ Voller Trauer blickte die Sängerin ins Publikum und öffnete dann ihre Seele. Tiefe Melancholie lag in ihrem klaren, voll tönenden Sopran und manchmal auch große Angst. Für ihren fulminanten Auftritt erhielt Hobbs lang anhaltenden Applaus und herzliche „Bravo“-Rufe.
Die Dämonie des Jago machte Stefan Stoll spürbar. Wild und böse wirkte er, einem bärtigen Teufel gleich, als er seine Arie sang. Donnernder Beifall war ihm anschließend gewiss. Dass es Shakespeare nicht nur dramatisch, sondern auch komödiantisch liebte, zeigt Verdis „Falstaff.“ Hier glänzten Michael Kupfer und Jeannette Wernecke mit ihren Parts. Einfach hervorragend meisterten auch Debra Hays und Uta Christina Georg ihre Auftritte. Und zum Schluss gaben Markus Heinrich und Tobias Wessler mit Charme und Verve die Ganoven aus „Kiss me, Kate.“
Ein rundum gelungener Abend!
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







