Krefeld: Mutter hat Angst um entführte Kinder
VON MARTIN RÖSE - zuletzt aktualisiert: 25.10.2008Krefeld (RPO). Ihr Mann sitzt wegen des Verdachts der Kindesentziehung in Untersuchungshaft. Ihre Töchter Maryam (3) und Iman (5) sind in Jordanien. Und der Mutter fehlt das Geld, um dort auf Herausgabe der Kinder zu klagen.
Wie geht es den beiden Krefelder Kindern Maryam (3) und Iman (5)? Seit Anfang Juli hat ihre Mutter auf diese Frage keine Antwort. „Ich habe Angst um meine Kinder“, sagt die 37-Jährige.
Unter einem Vorwand soll der eigene Vater die Mädchen nach Jordanien gelockt haben (die RP berichtete exklusiv). In dem moslemischen Staat soll seine Familie die Kinder festhalten. Der Vater – ein Arzt aus Krefeld – sitzt deshalb seit Juli in Untersuchungshaft im Gefängnis an der Steinstraße. Die Justiz befürchtet Fluchtgefahr. Mitte November wird der 48-Jährige wegen Kindesentzugs angeklagt.
Hilfe
Das Problem Eigentlich hilft das „Haager Übereinkommen über die zivilrechtlichen Aspekte internationaler Kindesentführungen“. Problem: Jordanien hat das Übereinkommen nicht unterzeichnet.
Die mögliche Lösung Um die Herausgabe der Kinder voranzutreiben, wäre ein Prozess in Jordanien hilfreich. Dafür fehlt der Mutter von Maryam und Iman jedoch das Geld.
„Wenn ich bei seiner Familie in Jordanien anrufe, werde ich beschimpft“, berichtet die Mutter von Maryam und Iman. „Ich bin für die Familie die Böse, die dafür gesorgt hat, dass mein Mann im Gefängnis sitzt.“ Sie habe große Sorgen, dass die Familie des Mannes den Zorn an den Kindern auslassen.
„In Jordanien gilt die Scharia“
Rechtsanwalt Dominik Meyer zu Schlochtern ist Fachanwalt für Familienrecht. Die Mutter von Iman und Maryam ist seine Mandantin. „Das Problem ist, dass in Jordanien die Scharia gilt – das Gesetz des Islam“, erklärt er. „Die Kindsmutter ist dort quasi rechtlos.“ Es sei sehr schwierig, aufgrund eines deutschen Rechtstitels in Jordanien die Herausgabe der Kinder zu erzwingen – obwohl Maryam und Iman einen deutschen Pass haben.
Weil ihr Mann keinen Unterhalt zahlt, lebt die Mutter der beiden Kinder derzeit von Hartz IV. „In Deutschland erhält sie Prozesskostenhilfe“, erklärt ihr Anwalt. Aber um erfolgreich zu sein, müsste eigentlich in Jordanien Anklage erhoben werden. „Doch dafür fehlt meiner Mandantin das Geld.“
Erich Pelzel ist der Anwalt des Ehemanns in der gerichtlichen Auseinandersetzung um das Sorgerecht für die Mädchen. Er hält den Fall für eine „Justizposse“. „Als U-Häftling kann mein Mandant nicht mehr tun, als seine Familie am Telefon zu bitten, die Kinder herauszugeben.“ Eine geplante Übergabe der Mädchen Anfang des Monats in Jordanien scheiterte. Mit den bereits gekauften Flugtickets für Maryam und Iman musste die Mutter zurück nach Deutschland fliegen. 2500 Euro verlor sie durch die Aktion.
Sie geht davon aus, dass ihr Ehemann seine Familie gebeten hat, die Kinder nicht auszuhändigen. „Ich weiß nicht weiter.“