Krefeld: Nach Großbrand: Schreiner startet neu
VON GESA FUCHS - zuletzt aktualisiert: 12.01.2011Krefeld (RPO). Vor genau einem Jahr stand Gerald Benz fassungslos vor dem Großbrand seiner Schreinerei Lohmann GmbH auf der Weyerhofstraße. In wenigen Tagen wird er mit Mitgesellschafterin Michaela Lohmann und dem gesamten Team die Arbeit in der neu erstellten Halle wieder aufnehmen.
Der 12. Januar 2010 wird in die Geschichte der Schreinerei Lohmann als der schwärzeste Tag in der 31-jährigen Firmenhistorie eingehen. Das Gebäude an der Weyerhofstraße brannte bis auf die Grundmauern nieder. Ein Jahr später blicken die Unternehmer wieder optimistisch in die Zukunft; in wenigen Tagen soll der Betrieb wieder aufgenommen werden.
"Das letzte Jahr bestand aus vielen Berg- und Talfahrten", sagt Gerald Benz (47), der dem Neustart zuversichtlich entgegenblickt. Im August 2010 wurde der erste Spatenstich auf dem Gelände getan, auf dem vor einem Jahr bei Schnee und Eis nur Schutt und Asche blieb. Eine Woche lang dauerten die Löscharbeiten, bei denen bis zu 90 Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr Krefeld und der freiwilligen Feuerwehr Tag und Nacht gegen die Flammen kämpften. Steht man in diesen Tagen vor der neu erbauten Halle, ahnt man von dem Schicksalsschlag, den jeder Tischler fürchtet, nichts.
Inzwischen sind die Baumaßnahmen so gut wie abgeschlossen. "Ab Februar arbeiten wir wieder hier an der Weyerhofstraße", sagt Benz. Vorgestern wurden elf der insgesamt 16 computergesteuerten Maschinen angeliefert und in der in den gleichen Maßen wie zuvor erstellten Halle aufgestellt – von der Tischfräse bis zur sechs Tonnen schweren Plattenaufteilsäge. Das benachbarte Unternehmen stellte sein Grundstück problemlos für den Fünf-Tonnen-Kran zur Verfügung.
Mobile Arbeitsplätze
"Der Brand hat alles komplett zerstört, wir hatten wirklich nichts mehr", sagt Michaela Lohmann über den entstandenen Millionenschaden. "Das einzige, was unversehrt blieb, war der Tresor, doch der wurde schließlich beim Transport beschädigt", erzählt die 42-Jährige, der das Anzünden des Adventskranzes in der Weihnachtszeit schwer fiel: "Das ist eine Angst, die ganz tief sitzt", sagt Lohmann.
Ihr Vater, Kurt Lohmann (73), gründete den Betrieb im Industriegebiet Birkschenweg, zwischen Kleinewefersstraße und Weyerhofstraße, im Jahr 1979. Zehn Jahre später wurde die Schreinerei auf das heutige Maß erweitert. Insgesamt 1000 Quadratmeter umfasst die Halle, die in Zukunft den elf Mitarbeitern für den Bereich Innenausbau, Möbel und Fenster mobile Arbeitsplätze bietet. "Wird ein Montagetisch mal nicht benötigt, kann er einfach zur Seite geschoben werden", erklärt Geschäftsführer Benz, der vor zwölf Jahren als Schreinereimeister in den Betrieb einstieg. Architekt Hans-Günter Niehues plante das neue Gebäude mit großzügigen Fensterflächen und dem Brandschutz gemäßem Rauchabzugssystem. Bei der Innenausstattung stimmte Benz sich mit dem Fachverband des Tischlerhandwerks Nordrhein-Westfalen ab. "Es war ein Segen, dass wir gut versichert sind, so entstanden für uns keine zusätzlichen Kosten", sagt Michaela Lohmann.
Große Solidarität
Michaela Lohmann und Gerald Benz sind vor allem dankbar für die Solidarität der Krefelder Kollegen: "Bereits während des Brandes rief mich Holz Roeren an und stellte uns Büro und Arbeitsmaterial zur Verfügung. Außerdem konnten wir in einer benachbarten Schreinerei weiterarbeiten", meint Benz. "Sämtliche Krefelder Betriebe unterstützten uns mit Arbeitsmaterial", fügt Lohmann hinzu. "Ich werde in meinem Leben keinen Tesafilm mehr benötigen."
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