Krefeld: Nach Umzug: Alle Möbel weg
VON SVEN DURGUNLAR - zuletzt aktualisiert: 02.08.2010Krefeld (RPO). Sie kann es noch immer nicht fassen: Weil sie ihre alte Wohnung aufgab, brachte Petra Sergocki ihre Möbel vorübergehend in ein Lagerhaus. Jetzt ist ihr kompletter Hausstand verschwunden. Ob der finanzielle Schaden beglichen wird, ist noch nicht geklärt.
Das Fahrrad ist sie auf jeden Fall los. Am Telefon erfuhr Petra Sergocki, dass ihr Drahtesel gerade ohne ihr Wissen verkauft worden sei. Für sie ein tragischer Verlust – doch nicht der Schlimmste von allen: Die 63-jährige Lehrerin fürchtet, dass ihr gesamtes Hab und Gut verschwunden ist.
Petra Sergocki hat anstrengende Monate hinter sich. Angefangen hatte alles im August vergangenen Jahres mit ihrem Entschluss, ihre Wohnung zu verkaufen und alle Möbel zwischenzulagern, bis sie eine neue Bleibe gefunden hat. Jetzt steht sie ohne Kleidung, ohne Möbel und ohne alle ihre persönlichen Schriftstücke dar.
Die Rechtslage
Schadensersatz Ob das Vermieterpfandrecht in diesem Fall gilt, müssen Richter entscheiden.
Schmerzensgeld Aufgrund des ideellen Wertes der Gegenstände will Petra Sergocki Schmerzensgeld einfordern. Die Aussichten auf Erfolg vor Gericht sind allerdings gering.
"Ich weiß nicht, ob ich die Kraft habe, noch einmal ganz von vorne anzufangen", sagt Sergocki. Dabei hatte der Umzug anfangs nach Plan funktioniert: Die Lehrerin verkaufte ihre Wohnung in Düsseldorf-Derendorf und beauftragte ein Umzugsunternehmen mit der Lagerung ihrer Möbel. Dieser mietete eine Halle in Krefeld für Sergockis Gegenstände an. Für die Zwischenzeit, bis sie eine neue Bleibe gefunden hatte, zog sie in ein kleines Apartment wenige Häuser von ihrer alten Wohnung entfernt.
Am Ostersonntag dann der Schock: Per E-Mail erhielt die Lehrerin die Mitteilung, dass die Umzugsfirma inzwischen Insolvenz angemeldet hat. Und kurz darauf die Nachricht, dass die ersten Gegenstände ihres Hausstandes bereits verkauft seien, weil mehrere Monate keine Miete mehr an die Lagerhalle gezahlt worden war. "Ich kann es noch immer nicht fassen", sagt Sergocki. "Unter den Gegenständen waren auch persönliche Briefe und Fotos, die für mich unersetzlich sind."
Seitdem führt die 63-Jährige einen verzweifelten Kampf darum, Reste ihrer Möbel zu retten – oder zumindest Schadensersatz zu erhalten. Für ihre Rechtsanwältin Susanne Punsmann ist der Fall klar: "Der Lagerhallenbetreiber ist schadensersatzpflichtig", sagt die Düsseldorfer Juristin. Die Argumentation des Hallenbetreibers, er könne aufgrund der nicht gezahlten Miete vom Vermieterpfandrecht Gebrauch machen, sei nicht stichhaltig. Bei der Lagerhalle in Krefeld argumentiert man Punsmann zufolge, dass aufgrund der ausstehenden Miete in Höhe von knapp 500 Euro die Gegenstände in den Besitz der Firma übergegangen seien.
Die Anwältin hält dagegen: "Es war klar, dass die Gegenstände nicht der Möbelfirma, sondern einer Privatperson gehörten." Vorerst hat Punsmann eine einstweilige Verfügung gegen den etwaigen Verkauf weiterer Gegenstände erwirkt. Sie hält es für unwahrscheinlich, dass noch Möbelstücke auftauchen: Unbestätigten Informationen zufolge sei der Lagerraum bereits im April geräumt worden. Der Hallenbetreiber war am Freitag zu keiner Stellungnahme bereit.
Vorerst wohnt Sergocki weiterhin in ihrem möblierten Apartment. Die Suche nach einer schönen neuen Wohnung hat sie nicht aufgegeben. Die Hoffnung, sie irgendwann mit ihren persönlichen Gegenständen einzurichten, dagegen schon.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum



