Krefeld: Närrische Gartenzwerge als Indianer und Prinzen Oeding fiert bis et Bömke wackelt Verberger Traumschiff auf großer Fahrt
VON NADJA JOPPEN - zuletzt aktualisiert: 18.01.2010Krefeld (RPO). Für viele ist es ein Traum, für andere das Ergebnis einer verlorenen Wette. Für Wolfgang Gödeke gilt wohl beides. Dass der Krefelder Karnevalist, Kneipenbesitzer und Millinger Dorfbub, in diesem Jahr als Karnevalsprinz von Millingen auf der Bühne der KG Närrischen Gartenzwerge steht, hätte er am allerwenigsten vermutet. "Die Wette war ein Witz, das hatte ich nie vorgehabt. Aber es macht viel Spaß. Ich würde es wieder tun." Er ist als Wolfgang II. auf den Geschmack der alleinigen Narrenherrschaft gekommen. Das bewies er am Samstagabend auch auf der Großen Karnevalssitzung im Saal Gietz.
Im Mittelpunkt stand aber nicht der befreundete Prinz, sondern die Verleihung der Federhaube 2010. Exprinz Siggi Leigraf zog als Häuptling "Ziehender Blitz" ins närrisch- bunte Tippi der Gartenzwerge. Als Mitglied der Westgarde, als Vorsitzender der Bürgergesellschaft Mitte und Spendensammler für "Essen auf Rädern" hat sich der 60-Jährige als Gartenzwerg- Häuptling ausgezeichnet. Der Name des neuen Häuptling ist symbolisch: Sein Beruf führt ihn um die ganze Welt, wo er Blitze produziert. "Als Elektriker versucht man die ja eigentlich zu verhindern, aber ich stelle sie für bestimmte Produktionen her", erklärte Leigraf.
Dass aus Gartenzwergen auf einmal Indianer-Häuptlinge werden, ist wohl nur im Karneval möglich. Doch diese Ironie machte den Reiz der gemütlich-familiären Sitzung aus. Viele der Gäste waren verkleidet, drei Generationen von Krefelder Jecken schunkelten hier gemeinsam und nach wenigen Minuten tanzten die ersten der fast 200 Gäste bereits auf den Stühlen und schrien "Zugabe!". Übrigens: Einem Gartenzwerg begegnete man am Samstagabend im Saal Gietz nicht. Dafür aber Supermännern, Marienkäfern, Hippies mit imposanter schwarzer Haarpracht.
Karl Heinz Dappers, ehemaliger Vorsitzender der Närrischen Gartenzwerge, wurde auf der Sitzung zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Er erhielt den ersten vereinseigenen Orden der KG.
Die KG Eulenturm, eine der ältesten Karnevalsgesellschaften Uerdingens, stützt sich bewusst auf eigene Kräfte. Das mag mitunter nicht so perfekt sein wie vom Fernsehen her gewohnt. Aber das Publikum kennt seine Darsteller und geht begeistert mit.
"In Abstimmung mit Eigentümer Matthias Melcher haben wir im vergangenen Jahr den Dujardin-Saal ausgestattet", erzählt Vorsitzender Artur Storb. "Auch die Bühne haben wir mit eigenen Kräften gebaut." Fischernetze, die von der Decke herabhängen und die aufgespannten Regenschirme an den Wänden können aber nur schwer verbergen, dass es sich um eine ehemalige Industriehalle handelt. Dennoch fordert das Provisorium das Publikum heraus: ein bisschen jecker zu sein als sonst und durch eigenes Mitmachen "Spass an de Freud" zu haben. Die drei langen Tischreihen lassen die Narren eng aneinander rücken. Das steigert die Stimmung. Aber wenn Liane Terhorst und Gabi Stienen über Uerdinger Ereignisse streiten, hören alle zu. Als "Lonna und Lönnchen" stellen Ilona und Laura Brückner Verständigungsschwierigkeiten zwischen Mutter und Tochter dar. Beide beweisen, dass Mitmachkarneval nicht unter Nachwuchsschwierigkeiten leiden muss.
Mit der Tanzgarde der KG Op de Höh zieht Prinzessin Iris I. (Dollbaum-Bünten) allein auf. Nach einem leichten Herzinfarkt braucht Prinz Reimund I Ruhe. Sitzungspräsident Frank Brass und sein Siebenerrat wünschen "de Möpp", wie die Eulenturmer ihr prinzliches Mitglied liebevoll nennen, von Herzen schnelle Genesung. Ein Höhepunkt der Sitzung war die Schwarzlicht-Show, bei der Adelgund Ruys, Christel und Stefanie Cronenberg drei Straußen tanzen ließen. Gesang und die Auftritte der Eulenturm-Tanzgarden rundeten das Programm ab.
Heinz Falk Consul Carnevalis
Trotz Pittermännchen auf einigen Tischen und mancher fantasievollen Kopfbedeckung litten die rund 500 Uerdinger Jecken auf der Kostümsitzung der Braunschweiger Narrenzunft in der Uerdinger Halle anfangs noch unter dem Einfluss des eiskalten windigen Wetters. "De leeve Jott hätt dich en Jesich jeschenk, ävver laache mosste selver..." rockten die fünf "Echte Frönde" aus Köln gegen den Saal und lösten die Kältebremsen für das vierstündige Programm aus Bütt- und Bauchreden, Comedy, Gesang und Showtanz. Den seit 1983 verliehenen Titel des "Consul Carnevalis" erhielt Heinz Falk für 50-jährige Vereinsmitgliedschaft, der langjährige Sitzungspräsident Armin Everhardt wurde zum Ehrenpräsidenten ernannt.
Die Sporthalle Luiter Weg hatte sich zur großen Kostümsitzung der KG Verberg am Samstagabend in eine "Traumschiff"-Kulisse verwandelt: Der Elferrat unter Leitung von Präsident Ralf Mühlenberg begrüßte die rund 500 Gäste von der Reling eines sorgfältig gestalteten Schiffes. Die Seiten der ausverkauften Halle waren als Meer- und Küstenlandschaften gestaltet, und viele Gäste hatten das Motto aufgegriffen und sich ein maritimes Outfit zusammengestellt. Es mischten sich aber auch Ärzte, Gangster, feine Damen und Clowns bunt durcheinander – und selbst einen König mit Hermelinmantel und rot gepolsterter Samtkrone hatte die Veranstaltung zu bieten.
Bis 1 Uhr in der Nacht
Rund 130 Aktive vor und hinter den Kulissen boten den Besuchern ein abwechslungsreiches Programm: Im Wechsel zwischen den eigenen Garden und Gästen wie Büttenredner "Dä Müllmann" – stilecht samt Tonne auf der Bühne – den Bands "die Oedingsche Jonges" und BoB ("Band ohne Bärte") oder dem Männerballett "Et Thorrer Schnauzerballett" erlebten die Gäste bis 1 Uhr in der Nacht ein buntes Programm. Bauchredner Fred van Halen mit seiner Puppe Aki ließ ein Feuerwerk an Wortwitz ab, und für den Zweiten Vorsitzenden, Friedhelm Dill, war das Krefelder Eigengewächs "de Oedingsche Jonges" durchaus vergleichbar mit den Bands aus den großen Karnevalszentren.
Musikalisches Talent
Zu Beginn des Abends – Präsident Ralf Mühlenberg verdonnerte sich selbst zum Leichtmatrosen und zum Schweigen – hatte das Verberger Kinderprinzenpaar, Aleksander I. und Tabea I., die Gäste begrüßt: Dabei bewiesen die beiden s das Prinzenpaar musikalisches Talent, indem es seine Vorgeschichte schwungvoll zu der Melodie des Karnevals-Klassikers "Que sera" erzählte. Souverän verteilten die beiden ihre Orden an die Technikverantwortlichen der Sitzung Thomas Basalla und Christian Schürmanns sowie die Ehepaare Christa und Josef Bittner und Inge und Achim Hansen, die für die Versorgung mit Essen und Getränken zuständig waren. Zum Abschluss des offiziellen Programms erschien das "große" Krefelder Prinzenpaar Christian I. und Ursula IV. – aber dann gab's noch richtig Party mit den "Rheinischen Musikanten".
Alle Kinder können sich übrigens den 31. Januar vormerken: Dann findet ab 15.11 Uhr das "Kinderkarnevalsfest" in der Gaststätte Kleinlosen statt, mit einem "knuffigen Programm", so Dill: "Dann stehen die Kinder im Mittelpunkt". Und natürlich ist am Karnevalssamstag in Verberg Karnevalszug unter Führung der Kindertollitäten.
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