Krefeld: Nashornbaby verblüfft Tierpfleger
VON JENS VOSS - zuletzt aktualisiert: 17.07.2010 - 09:50Krefeld (RPO). Das 14 Tage alte weibliche Nashornbaby im Krefelder Zoo läuft bereits in gestrecktem Galopp durchs Gehege. Die Quirligkeit verblüfft das Zoo-Team: "Die Kleine ist dreister als ihre Brüder, unglaublich neugierig und mutig", heißt es. Das Baby ist seit Freitag Patenkind unserer Redaktion.
Woran erkennt man, dass ein Nashornbaby mutig ist? Daran, dass es einem Elefanten fest in die Augen schaut, ohne mit dem Nashörnchen auch nur zu zucken. Mit einer solchen Tat hat das 14 Tage alte Nashornbaby im Krefelder Zoo seine Pfleger verblüfft: Im Nachbargehege sind Elefanten, und als ein Elefant seine Rüssel in Richtung Nashorngelände ausstreckte, stand das Nashornbaby fest wie Mutter Nane und schaute dem Nachbarn furchtlos in die Augen.
"Das war bei seinem Bruder Thabo anders", erinnert sich Zoosprecherin Petra Schwinn. "Als der das erste Mal den Rüssel gesehen hat, hat er sich erschreckt und ist zur Mutter gelaufen." Nicht so das neue Nashornbaby, das seit gestern Patenkind der Rheinischen Post ist. "Es ist dreister als seine beiden Brüder, unglaublich neugierig und mutig."
Geburt Sonntag, 4. Juli, nach 459-tägiger Trächtigkeit.
Geburtsgewicht 30 Kilogramm
Eltern Muttertier Nane, 19 Jahre alt; das Baby ist ihr drittes Junges; Bulle Usoni.
Brüder Davu, Thabo
Zoo Krefeld Uerdinger Straße 377, geöffnet täglich 8 bis 19 Uhr, Kassenschluss 17.30 Uhr, Erwachsene regulär 8,50 Euro, ermäßigt vier Euro, Familienkarten zwischen 15 und 22 Euro, Tel. 02151/ 95520
Der Tierarzt des Krefelder Zoos, Martin Straube, bestätigt, dass das Nashornbaby, dessen Name noch als Geheimnis gehütet wird, außergewöhnlich aktiv ist. Gestern etwa ist das Tierchen zur Freude der Besucher in gestrecktem Galopp durchs Gehege geflitzt. Nicht nur bei der Begegnung mit Elefanten fehlt der Kleinen die Furcht: Auch der erste Regen hat das Jungtier nicht eingeschüchtert – Zoosprecherin Schwinn: "Erst schien es verblüfft, dann haben sich erste Pfützen gebildet, und es hat ausgelassen wie ein Kleinkind reagiert: Prima – Pfütze ist toll, da wälz ich mich drin und stupse mit der Nase rein."
Was im Zoo die reine Freude für Zuschauer ist, kann Nashornbabys in freier Wildbahn gefährlich werden. Entferne sich ein Jungtier zu sehr von der Mutter, hätten Löwen und Hyänen die Chance zum Angriff, berichtet Zootierarzt Straube. Sind Mutter und Junges auf Tuchfühlung, ist das Junge sicher, denn Nashörner haben keine natürlichen Feinde.
Dennoch: Die instinktiv immer eingeschaltete Vorsicht lässt auch im Zoo nicht nach. Bei der Begegnung des Kleinen mit dem Elefanten hat Mutter Nane nervös gefiept – diese "Stimmfühlungslaute" signalisieren dem Jungen: Nicht weiter, zurück! Nötig war es nicht: Elefanten und Nashörner sind zwar Nachbarn, aber mehr als eine Rüssellänge voneinander entfernt untergebracht. In freier Wildbahn funktioniert die Funkverbindung zwischen Mutter und Baby gut – nur wenige Nashornjunge fallen laut Straub Fressfeinden zum Opfer.
Bleiben die angenehmen Seiten des Nashornlebens: selber fressen. Nashörner sind die Feinschmecker unter den afrikanischen Riesen. Während Elefanten pro Tag bis zu 150 Kilogramm Gras in sich hineinmampfen, begnügen sich Nashörner mit 50 bis 60 Kilogramm Grünfutter. Tierarzt Straube: "Spitzmaulnashörner suchen sich sehr gezielt heraus, was sie brauchen: Kräuter, Dornenbüsche, Buschwerk mit vielen Blättern." Wirklich auch Dornenbüsche? Ja, auch das.
Nashornbabys leben bis zu zwei Jahre vor allem von der Milch des Muttertieres. "Nashornmilch ist Pferdemilch sehr ähnlich, weitaus weniger fetthaltig als menschliche Muttermilch oder Milch von Kühen, dafür aber sehr eiweißhaltig", sagt Straube. Eiweiß ist das Zauberwort dafür, dass aus niedlichen Nashörnchen mächtige Nashörner werden. Das Krefelder Tierbaby legt pro Tag ein Kilogramm zu. Klingt viel – es bleibt aber ein weiter Weg zu eineinhalb Tonnen Erwachsenengewicht.
Auch wenn Milch das Hauptnahrungsmittel ist, versuchen sich Nashornjunge früh an Mutters Futter. Auch das Krefelder Nashornbaby knabbert bereits an Ästen herum. Mutter Nane bekommt neben Obst und Gemüse ("Äpfel sind außerordentlich beliebt") vor allem Weidenzweige, wobei die 19-jährige Nashorndame mit den Blättern auch vier bis fünf Zentimeter dicke Äste locker verputzt.
Und was fasziniert einen Tierarzt besonders an Nashörnern?
Straube nennt zwei Dinge. Da wäre zum einen ihre überraschender Leichtfüßigkeit. Kein Witz; wer einmal ein Nashorn hat traben sehen, wundert sich über die Eleganz, mit der diese Unpaarhufer, die auf drei Zehen pro Fuß laufen, vorbeischweben. Zum anderen nennt der Tierarzt den Charakter der Tiere, die so mächtig sind, dass sie niemanden außer den Menschen zu fürchten brauchen: Sie seien "unglaublich sensibel, schreckhaft, vorsichtig, fürchten sich erst einmal vor Neuem."
Das Nashornbaby ist noch anders und darin wohl jedem jungen Lebewesen ähnlich: neugierig, putzmunter, wie von flitzend-tapsiger Lebenslust erfüllt. Es muss noch viel lernen – zum Beispiel, wie man Melonen knackt. Mutter Nane pflegt derlei Köstlichkeiten mit sanftem Hornstoß gegen einen Felsen zu drücken, und schon ist das Mahl bereitet. Auch im Zoo will das Nashornleben gelernt sein.
Zweieinhalb bis drei Jahre wird das Baby so an der Seite der Mutterkuh leben. Danach ist es erwachsen genug, neue Wege zu erkunden.
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