Krefeld: Nehring war in Myanmar
VON SEBASTIAN PETERS - zuletzt aktualisiert: 01.10.2007 - 10:00Krefeld (RPO). Wenige Ausländer haben bisher Zutritt zu Myanmar erhalten, wo die Lage politisch derzeit eskaliert. Wolfgang Nehring hat das Land fünf Mal besucht, zuletzt vor einem halben Jahr. Krefelds Elefantenkenner hat grausame Dinge gesehen und hofft deshalb auf den Sieg der Opposition.
Wenn Krefelds Elefantenexperte Wolfgang Nehring derzeit die Zeitung aufblättert, dann sieht er mit Schaudern auf die politische Entwicklung eines Landes, das er fünf Mal besucht hat: Myanmar ist ihm ans Herz gewachsen.
Eigentlich wollte der Krefelder, der im Zoo als Elefantenpfleger arbeitet, im kommenden Winter wieder hinfahren. Doch eine Reise lassen die derzeitigen politischen Umstände im Land wohl kaum zu. Nehring stellt fest: „Die Spannung ist von Jahr zu Jahr schlimmer geworden.“ Was in Myanmar passiert, der Aufstand der Mönche und der Opposition gegen dieMilitärjunta, sei nur die Eskalation einer lange währenden Krise.
Myanmar
Proteste Seit wenigen Wochen demonstrieren in Myanmar, das früher Birma und Burma hieß, Mönche und Zivilbevölkerung gegen die Militärjunta, die das Volk unterdrückt.
Vielvölkerstaat In Myanmar leben Menschen aus 125 Ethnien.
Als Rentner will der 59-Jährige ins Goldene Dreieck zwischen Thailand, Laos und Myanmar ziehen. Schließlich steht dort eine der Wiegen der asiatischen Elefanten. „Die Bewohner von Myanmar leben enger mit Elefanten zusammen als überall sonst auf der Welt“, sagt Nehring, der erstmals 1981 nach Myanmar reiste, um die Krefelder Elefantenkuh Yheetoo zu kaufen.
Wolfgang Nehring ist von der Kultur des Landes, das er wie die Engländer Burma nennt, begeistert. Weil er Elefantenkenner ist, habe er die Chance gehabt, durchs Land zu reisen. Nehring hat dort Menschen leiden sehen, wie es sonst nur wenige Auswärtige zu Gesicht bekommen. Journalisten ist kritische Berichterstattung über Myanmar strengstens untersagt. „In diesem Land ist die Uhr 50 Jahre stehen geblieben“, sagt der Krefelder.
Eng befreundet ist Nehring mit dem Zoodirektor der Hauptstadt Rangun, der wiederum mit der Oppositionsführerin verwandt ist. Der ist gleichzeitig ein ranghohes Mitglied beim Militär und konnte Nehring an Plätze führen, die sonst kaum jemand zu Gesicht bekommt: „Ich habe Menschen gesehen, die an Ketten lagen, damit sie bei der Arbeit nicht flüchten können. In Myanmar gibt es immer noch Sklavenhaltung.“
Menschen, die im Müll leben
Einer der Hauptexportartikel in Myanmar ist das Teakholz. Und wegen genau dieses Holzes halten sich die Bewohner des Landes so viele Elefanten. Mit ihrer Hilfe werden die Baumstämme aus dem Wald befördert. Nehring hat das Leben der Elefanten dort intensiv begleitet, um ihre Eigenarten kennen zu lernen.
Der Krefelder ist am Rande der Reisen durchs Hinterland jedoch auch weiteren Grausamkeiten begegnet. So bekam er eine große Müllkippe zu Gesicht, in der Menschen in eingebauten Höhlen übernachteten. Es gebe dort außerdem regelrechte Arbeitscamps für die unteren Bevölkerungsschichten. „Dort existiert Armut in schlimmsten Formen.“
Dabei werde dem Volk möglicherweise die zutiefst friedfertige religiöse Prägung zum Verhängnis: „Es ist eines der friedlichsten Völker, das ich je gesehen habe“, sagt der Weltenbummler Nehring. Vorerst will er jedoch in Krefeld bleiben und auf den Sieg der Opposition hoffen.
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