Krefeld: Neubau fürs Klinikum
VON DIETER HILLA - zuletzt aktualisiert: 09.12.2006Krefeld (RPO). In der kommenden Woche tagt der Aufsichtsrat des Klinikums. Auf der Tagesordnung: ein möglicher Neubau des Klinikums. Dieser könnte das Haus fit machen, aus eigener Kraft zu bestehen. Wenn das Geld zu bekommen ist.
Nach RP-Informationen gibt es Überlegungen, die beiden Personalhochhäuser des Klinikums abzureißen und dort einen Neubau zu errichten. Krefeld hätte dadurch ein modernes Klinikum unter einem Dach. Das würde nicht nur dem Image sehr gut tun, sondern auch die Kosten senken. Denn die Ausgaben für die Patientenfahrten zwischen den weit verstreuten Häusern bilden derzeit eine große finanzielle Belastung. Vielleicht gelänge es dadurch sogar, als Krankenhaus selbstständig zu bleiben.
Bei laufendem Betrieb
Der Neubau läge relativ nah zu Herzchirurgie und Nephrologie, die bestehen blieben. Von den meisten anderen Gebäuden könnte sich das Klinikum dann trennen. Weiterer Vorteil: Durch den Neubau an der Stelle der Personalhochhäuser würde der laufende Betrieb des Krankenhauses nicht leiden. Nach Fertigstellung könnte der Umzug stattfinden, die nicht mehr benötigten Gebäude und Gelände würden verkauft.
Wirtschaftsplan
Der Wirtschaftsplan 2006 sieht vor (in Millionen Euro):
Aufwendungen 205
Erträge 190,7
Jahresfehlbetrag - 14,3
Verlustvortrag aus Vorjahr - 18,3
Entnahmen aus Rücklagen 5,3
Bilanzverlust -27,344
Die ursprüngliche Rücklage von 50 Millionen Euro ist damit deutlich geschrumpft.
Rund 150 bis 200 Millionen Euro kostet nach Schätzungen von Fachleuten solch ein Bau. Wie lässt sich das finanzieren? Stefan von Bandemer ist Fachmann für Gesundheitswirtschaft am Institut für Arbeit und Wirtschaft, das das Land NRW finanziert. Bei der verdi-Diskussion am Dienstag schlug er vor, dass ein Investor den Bau errichtet, den das Klinikum anschließend mietet. Nach RP-Informationen wird aber auch geprüft, den Neubau aus eigner Kraft zu stemmen.
Im Gespräch mit der RP erläuterte von Bandemer gestern am Beispiel Hamburgs, wie ein Neubau ein Krankenhaus profitabler macht. Hamburg errichtet ein 750-Betten-Haus statt seines bisherigen Klinikums. Die Stadt will dadurch bis 2010 rund 36 Millionen Euro einsparen. Die Rhön-Kliniken steigern durch Neubauten ihre Produktivität um rund 15 Prozent, sagt von Bandemer.
Durch einen Neubau könne ein Krankenhaus die Arbeitsabläufe wesentlich verbessern und auf die modernen Anforderungen abstimmen: mehr ambulante Operationen, kürzere Aufenthalte der Patienten. Dadurch gelingt es, die Fallzahlen zu erhöhen, also mehr Patienten zu behandeln. Das lässt die Einnahmen steigen.
Zu Personalabbau muss solch ein Neubau nicht zwangsläufig führen, meint von Bandemer. Reha-Angebote, die Patienten davor bewahren, zum Pflegefall zu werden, würden zunehmend wichtiger. Dafür würde Personal gebraucht, das nach einem Umbau an anderen Stellen nicht mehr nötig sei. Müssten Kündigungen ausgesprochen werden, wäre es durchaus eine Möglichkeit, eine Beschäftigungsgesellschaft zu gründen, mit deren Hilfe dann der Reha-Bereich des Krankenhauses aufgebaut wird.
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