Krefeld: Neue Anlegestelle für Kraftwerk
VON JENS VOSS - zuletzt aktualisiert: 08.09.2009Krefeld (RPO). Wenn das Kohlekraftwerk in Uerdingen gebaut wird, soll die Kohle per Schiff angeliefert werden. Dazu plant der Rheinhafen Krefeld den Bau einer Anlegestelle. Die Ufer-Plattform soll Uerdingen 1600 Kohle-Züge pro Jahr ersparen.
Das neue Kraftwerk im Chempark Krefeld-Uerdingen würde, wenn es denn gebaut wird, jährlich 2,4 Millionen Tonne Kohle verfeuern – eine Menge, die in 1600 Zügen angeliefert werden müsste. Um diese Invasion aus Zügen zu verhindern, haben die Stadt Krefeld und der Betreiber beschlossen, die Anlieferung der Kohle per Schiff zu bewältigen.
Dazu muss der Hafen erweitert und eine eigene Anlegestelle gebaut werden. Gestern stellte Rainer Schäfer, Geschäftsführer vom Hafen Krefeld, die Planungen vor. "Der Weg über die Binnenschifffahrt ist der ökologischste und der wirtschaftlichste", sagte er. Für die Anwohner sollen sich praktisch keine Belastungen ergeben.
Die Anlegestelle ist als 140 Meter breite und 20 Meter tiefe Plattform auf Stelzen geplant, die etwa zwölf Meter über den Boden ragen würden. "Der Vorteil ist: Der Fluss wäre nicht behindert; bei Hochwasser würde das Wasser einfach unter der Plattform hindurchströmen", erläutert Schäfer.
Hafen Krefeld
Neugründung 2008 als Hafen Krefeld GmbH & Co. KG (Rheinhafen Krefeld); in Partnerschaft der Stadt Krefeld und der Neuss Düsseldorfer Häfen
Umschlagleistung mehr als vier Millionen Tonnen (2008); damit viertgrößter öffentliche Binnenhafen in NRW
Größe 500 Hektar bei 11,4 Kilometer Uferlänge
Technik vier Krananlagen; vier Lokomotiven
Personal 38 Mitarbeiter
Umsatz 4,5 Millionen Euro (2008)
Für die Uerdinger, so versichern die Planer, ergeben sich keine nennenswerten Staubbelastungen durch die Anlage. Die Kohle würde beim Entladen befeuchtet und auf geschlossenen Bandanlagen ins Kraftwerk befördert.
Die Staubbelastung würde im Umkreis von etwa 200 Meter um zwei Mygramm (sprich: Mykrogramm; ein tausendstel Gramm) pro Kubikmeter ansteigen. Zum Vergleich: Die Belastung in dem Bereich liegt nach Rheinhafen-Angaben jetzt bei etwa 17 Mygramm; der erlaubte Grenzwert liegt laut Schäfers bei 40 Mygramm.
Insgesamt ist Schäfer überzeugt, dass die Anlage umweltschonend ist: "Der Charme der Anlage liegt im geringen Flächenverbrauch und darin, dass sie nur einen geringen Eingriff in die Landschaft darstellt."
Auch betriebswirtschaftlich sei die Binnenschifffahrt, so betont Schäfer, die mit Abstand günstigste Variante, koste nur einen Bruchteil des Transports über Schiene oder Straße – was auch für den Schadstoffausstoß gelte.
Der Bau der Plattform würde nach Schäfers Angaben grob geschätzt etwa 20 Millionen Euro kosten. Der Rheinhafen-Geschäftsführer will nun das Genehmigungsverfahren vorantreiben, damit der Bau beginnen kann, sobald klar ist, ob das Kraftwerk gebaut wird – denn nur dann wird auch die Anlegestelle realisiert.
Das Antragsverfahren kann sich nach Rheinhafen-Schätzungen über ein bis zwei Jahre hinziehen. Die Bauzeit selbst würde ein Jahr betragen. Das ganze Projekt ist also noch Zukunftsmusik.
Geht die Plattform in Betrieb, würden nach Angaben Schäfers mindestens sechs neue Arbeitsplätze geschaffen.
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