Krefeld: Ohne Kirmes geht es nicht
VON BÄRBEL KLEINELSEN - zuletzt aktualisiert: 12.07.2007Krefeld (RPO). Früher freuten sich alle auf den Rummel. Heute ist es schwer, Betreiber von Raupe und Co. für kleine Städte wie Uerdingen zu begeistern. Doch eins ist klar: Kirmes gehört dazu. Am 22. Juli ist es wieder soweit.
uerdingen Wenn das Wochenende vor dem Gedenktag zu Ehren des Heiligen Pantaleon nahte, freuten sich in Krefelds Rheinstädtchen nicht nur die Kinder. Denn immer vor dem Namenstag am 27. Juli rollten die Kirmeswagen nach Uerdingen. So ist es seit 199 Jahren. Und so wird es auch in diesem Jahr wieder sein. Traditionell wird Bezirksvorsteher Elmar Jakubowski nächstes Wochenende seinen Zylinder schwenken und damit die Pantaleons-Kirmes eröffnen.
„Die Begeisterung für die Kirmes hat heute leider nachgelassen. Früher war es ein großes Volksfest, ein Höhepunkt des Jahres“, erinnert sich der Bezirksvorsteher. Kirmes sei damals ein Treffpunkt für Familien und Freunde gewesen. Selbst Uerdinger, die es an andere Orte verschlagen hatte, kamen zur Kirmes zurück in die Heimat, um über alte Zeiten zu plaudern. Firmeninhaber nutzten den Jahrmarkt, um montags mit den Mitarbeitern über den Rummel zu schlendern. Das sei heute ebenfalls selten geworden. Arbeiten muss inzwischen auch die Verwaltung. Früher hatten die Uerdinger Beamten traditionell frei.
Heiliger Pantaleon
Wer Pantaleon war Sohn eines heidnischen Vaters und einer christlichen Mutter. Schon als Kind erkannte er seine Heilkräfte.
Legende Wegen seines Glaubens wurde Pantaleon verhaftet und gefoltert. Als ihm der Kopf gespalten wurde, floß aus seiner Wunde Milch statt Blut.
Gedenktag ist der 27. Juli.
Kirmes Der Rummel ist vom 22. bis 25. Juli.
Überangebot an Unterhaltung
„Dosenwerfen und Fädenziehen gibt es inzwischen auf jedem Schulfest. Selbst Autoscooter und Raupe sind kein Nervenkitzel mehr. Die kleine Kirmes hat es schwer, sich gegen das Überangebot an Unterhaltung zu behaupten“, hat Jakubowski festgestellt. So sei es schwierig, Betreiber ansprechender Fahrgeschäfte für den Standort zu begeistern. „Das Kirmes-Geschäft ist hart geworden. Einige Schausteller mussten schon Insolvenz anmelden. Deshalb überlegen wir auch, wie unsere Kirmes in Zukunft aussehen soll“, sagt Ulrich Lohmar, Vorsitzender des Heimatbundes. Eine „kleine, aber feine“ Kirmes wünscht er sich, die etwas Besonderes zu bieten hat. Über das Feuerwerk müsse man nachdenken. Bisher wurde es zum Abschluss am Dienstag abgefeuert. „Vielleicht wäre es besser, es aufs Wochenende zu verlegen“, überlegt Lohmar.
Das sei ab sofort Sache von Marktorganisatorin Renate Hake. Sie wird sich ab 2008 nicht nur um die Sprödental-, sondern auch um die sechs Vorort-Kirmessen kümmern. Bisher war die Bezirksstelle Uerdingen zuständig. „Wir sind im Moment dabei, in der Verwaltung Aufgaben zu bündeln. Das macht besonders bei der Kirmes Sinn. So ist es vielleicht möglich, Schausteller für Vororte zu interessieren, indem man ihnen gleich mehrere Standorte in Aussicht stellt“, erklärt Mathias Schütze, stellvertretender Leiter des Bürgerservice.
Denn in einem sind sich alle einig: Eine Kirmes gehört dazu. Jakubowski: „Es wird die Kirmes möglicherweise nicht mehr in der jetzigen Größe geben, aber die Tradition wird weiterleben.“
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