Krefeld: Opa Roglitzkis Bandoneon für Krefeld
VON SEBASTIAN PETERS - zuletzt aktualisiert: 22.07.2012Krefeld (RP). Die Krefelderin Helga Roglitzki hat der Stadt Krefeld das Bandoneon ihres Großvaters Franz geschenkt. Das vom Krefelder Heinrich Band erfundene Musikinstrument wird nun Teil der Ausstellung "Krefeld. Band. Bandoneon", die ab Ende September in Linn zu sehen sein wird.
Das neue Krefelder Bandoneon ist weit gereist: Sein ehemaliger Besitzer, der in Kunzendorf bei Danzig geborene Franz Roglitzki (1903-1938), arbeitete als Lokomotivführer und Maschinist in der Binnenschifffahrt und trug das Bandoneon, mit dem sich herrlich romantische Sehnsuchtslieder spielen lassen, immer bei sich.
Er spielte es auch nach dem späteren Umzug nach Duisburg zum persönlichen Vergnügen und zu feierlichen Anlässen wie Hochzeiten und Taufen. "Großvater und das Instrument gehörten einfach zusammen, er hat sich damit die Haushaltskasse aufgebessert", berichtet Enkelin Helga Roglitzki, die seit 30 Jahren in Krefeld lebt und dem Förderverein des Kulturbüros das Instrument nun geschenkt hat.
Exponate gesucht
Das Kulturbüro sucht weitere Bandoneon-Exponate: alte Instrumenten, Noten für das Bandoneon, historische Fotos von ehemaligen Bandoneon-Vereinen oder Bandoneon-Spielern.
Ansprechpartner ist Klaus Schmidt im Kulturbüro unter der Telefonnummer 02151 583614 (vormittags) oder per E-Mail klaus.schmidt@krefeld.de.
Weiterentwicklung der Konzertina
Das Bandoneon von Opa Roglitzki ist nun dort angekommen, wo es auch erfunden wurde. Der Krefelder Heinrich Band (1821-1860) entwickelte es um 1840 als technische Fortführung der existierenden Deutschen Konzertina. Ihm zu ehren hat das Kulturbüro die Ausstellung "Krefeld. Band. Bandoneon" in der Wechselausstellungshalle des Museums Burg Linn organisiert, die am 30. September startet.
Das Bandoneon ist ähnlich wie das Akkordeon ein Handzuginstrument. Mit einem Balg wird ein Luftstrom erzeugt, der im Inneren Stimmzungen aus Metall in verschiedenen Tonhöhen zum Schwingen bringt. Diese Idee wurde vom Niederrhein aus ein Exportschlager. Das mag auch an der einfachen Bedienung gelegen haben – denn das Instrument lässt sich ohne Noten nur mit Zahlenreihen spielen – die Knöpfe des Bandoneons haben Nummern. 1939 gab es in Deutschland fast 700 Bandoneon-Vereine.
Deutsche Auswanderer brachten das Instrument nach Südamerika, vor allem Argentinien, wo der Bandoneon-Klang zum Inbegriff des Tangos wurde. Nach dem Krieg aber verlor das Bandoneon an Bedeutung. Die Krefelder Ausstellung könnte helfen, dem Instrument wieder zu neuer Bedeutung zu verhelfen. Schon jetzt integrieren aktuelle Pop-Elektronik-Bands wie die Pariser Band Gotan Project das Instrument in ihren Sound.
Die Krefelder Ausstellung wächst langsam: Das erste Bandoneon für die Ausstellung erhielt Krefeld erst im vergangenen Herbst 2011. Der Niederländer Harry Geuns verkaufte der Stadt ein prächtig restauriertes Exemplar für 5000 Euro. Das neu geschenkte Roglitzki-Instrument ist typisch für die Bandoneons, die von Tausenden Laienmusikern vor allem im Ruhrgebiet in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gespielt wurden.
Der begeisterte Amateurmusiker Roglitzki hat sein Bandoneon wahrscheinlich 1927 erworben. Das Instrument stammt von der bekannten Firma Ernst Louis Arnold in Carlsfeld (Sachsen), einem der großen Bandoneon-Produzenten in den ersten Dekaden des 20. Jahrhunderts.
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