Krefeld: Orchesterakademie begeistert
VON MOJO MENDIOLA - zuletzt aktualisiert: 17.11.2009Krefeld (RPO). Mit dem Werk "Vom Winde beweint" hat die Orchesterakademie NRW unter Gastdirigent Michael Preiser ein Glanzstück abgeliefert. Der minimale Einsatz von Noten erzeugte tiefe Emotionen in der Friedenskirche.
Am Sonntagabend war Eile geboten: Etliche Gäste und Musiker machten sich nach dem Jubiläumskonzert der Musikschule vom Seidenweberhaus direkt in die Friedenskirche auf – zum Konzert der Orchesterakademie NRW, sodass man sich auch dort über ein volles Haus freuen konnte. Mit dem Werk "Vom Winde beweint" für Viola und Orchester stellte die Akademie unter ihrem Gastdirigenten Michael Preiser nicht nur den hierzulande kaum bekannten, zeitgenössischen Komponisten Giya Kancheli aus Armenien vor, sondern bot ein Klangerlebnis ganz eigener Klasse. Minimalistisch im Umgang mit Noten, aber von ungeheurem Reichtum an Klangfarben, erreichten Komposition und Interpretation eine selten erlebte Intensität.
Schwebende Akkorde
Mit einem einzigen heftigen Klang vom Flügel begann das Molto Largo, und aus dem Nachhall wand sich leise weinend Armine Abrahamyans Viola hervor. Wechselnde Instrumentengruppen erzeugten schwebende Akkorde, aus denen kurze melodische Elemente von Cembalo oder Harfe wie aus Nebelbänken auftauchten und auf magische Weise in dem zugleich samtenen und heiseren, verloren wirkenden und doch ungeheuer präsenten Ton der Bratsche aufgingen. In den weiteren Sätzen kamen heftige Bläser-Staccati, Tutti Fortissimi, und kurz in Beinahschweigen getupfte Motive verschiedener Instrumente als Ausdrucksmittel hinzu. Immer wieder konzentrierte sich die ganze Kraft des Klangkörpers in Abrahamyan, deren Spiel auf der Viola – manchmal nur über ein einziges Intervall – der Kunst eines Zen-Bogenschützen glich. Die Konzentrationsleistung des Ensembles, das sich an keinem durchgehenden Fluss orientieren konnte, war enorm. Selten wird bei solch hohem Abstraktionsgrad eine derart ergreifende emotionale Tiefe erzielt – eine Glanzleistung besonderer Güte.
Dirigent Preiser, der auch ständiger Leiter des Oratorienchors Münster und des Konzertchors Bielefeld ist, setzte mit einer Kombination aller drei Ensembles für das "Deutsche Requiem" von Johannes Brahms noch einen drauf. Hatte Brahms sein Werk weniger der Ehrung der Verstorbenen, sondern mehr dem Trost der Hinterbliebenen gewidmet, so erzielte schon der optimal abgestimmte Zusammenklang beider Chöre jene Wärme, die sogar dem nicht Trauernden sofort ein Gefühl des Getröstetwerdens einflößte. Auch die Harmonie zwischen den Chören und der Orchesterakademie gelang geradezu traumhaft von den leiseren Sätzen bis hin zu barocker Prachtentfaltung. Überzeugend ebenso die jungen Gesangssolisten Uta Schwarzkopf (Sopran) und Torben Jürgens (Bariton) – zweifellos eines der Konzerte des Jahres.
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