Krefeld: ,Paulus' glänzt in St. Cyriakus
VON PETRA DIEDERICHS - zuletzt aktualisiert: 24.11.2009Krefeld (RPO). Minuten langer Beifall belohnte Chor, Orchester und Solisten nach einer fulminanten Aufführung.
St. Cyriakus in Feststimmung: Die neuen Fenster sind da, die Kirche ist fertig restauriert, die Metzler-Orgel zum Zehnjährigen gebührend gefeiert worden – und zum Abschluss der Orgelwoche stand eine fulminante Aufführung an: Felix Mendelssohn-Bartholdys Oratorium "Paulus". Damit war vor zehn Jahren bereits die Orgelweihe-Woche beendet worden. Und auch diesmal wurde es zur Krönung einer hochkarätigen Konzertfolge: Minuten lang applaudierten rund 400 Zuhörer im Stehen.
Die Entschuldigung wäre nicht nötg gewesen. Das Gerüst für den Einbau der neuen Kirchenfenster stand noch im Altarraum, als sich am Totensonntag Chor und Orchester von St. Cyriakus aufstellten. "Die Gerüstbauer sind so mit St. Dionysius beschäftigt, da teilen wir gerne", erklärte Pfarrer Paul Jansen. Doch schon bei der Ouvertüre zum abendfüllenden Werk hatte kaum noch jemand einen Blick für Schönheitsmakel. In sanften Klangwellen ließ Kantor Matthias Zangerle das Oratorium anrollen , das Leben und Mission des Pharisäers Saul gezeigt, der zum Paulus wurde. Mit umsichtigem Dirigat lotete Zangerle jede dynamische Nuance aus. So brodelte es bereits voll düsterer Vorahnung in den Bässen, während die Violinen noch freudiges Gotteslob sangen. Und auch der Chor bediente sich auf einer großen Palette der Ausdrucksmöglichkeiten. So hielt das zweiteilige Werk immer seine Spannung.
"Paulus" ist das erste Oratorium Mendelssohn Bartholdys und noch vor dem "Elias" entstanden – unter dem Einfluss Johann Sebastian Bachs, dessen Matthäuspassion Bartholdy 1829 wiederentdeckt und dirigert hat. Nach der "Paulus"-Uraufführung Pfingsten 1836 beim Niederrheinsichen Musikfest in Düsseldorf gab es Kritik an den eingeschobenen Chorälen. Und trotzdem war der Paulus eines der meistaufgeführten Oratorien zu Lebzeiten des Komponisten.
Verschwörerisch zischelnd
Die Cyriakus-Sänger und -musiker waren bestens vorbereitet und bewiesen, welche Strahlkraft gerade die Choräle bringen. Mit gepflegter Festlichkeit rühmten sie "Herr, der du bist der Gott, der Himmel und Erde gemacht hat". Die Stimmmen formierten sich zur Meute, die treibend den Lästerer anprangert, skandierten gefährlich das "Steinigt ihn" und zischelten verschwörerisch "Ist das nicht der zu Jerusalem verstörte alle". Die Lichtsymbolik ließen vor allem die Frauenstimmen mit sauberen Spitzenztönen blitzen.
Christa Bonhoffs makelloser Mezzosopran entfaltete sich in den Solopassagen wunderbar und erreichte in der gefühlvollen Jerusalem-Arie große Tiefe. Unter dem Strahlen schimmerte stets ein bisschen Trauerflor. Weich und wohlgeformt klang Dantes Diwiak (Tenor) in seiner Rolle als Erzähler. Thomas Herberich (Bass), der kurzfristig eingesprungen war, hatte als Paulus vor allem im Duett mit dem Tenor (Barnabas) seine schönsten Einsätze. Mendelssohn hat für dieses Oratorium auf dramatische Szenen verzichtet. Der Facettenreichtum von Chor, Orchester und gewaltigen Akzenten von Andreas Cavelius an der Orgel machten das vergessen.
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