Krefeld: Pispers' wütendes Kabarett
zuletzt aktualisiert: 24.01.2011Krefeld (RPO). Als "Ablass-Handel" bezeichnet Volker Pispers (53) das Kabarett, und bietet dem Publikum im ausverkauften Seidenweberhaus an, sich die "Kritik am eigenen Lebenswandel folgenlos um die Ohren schlagen" zu lassen.
"Bis neulich" heißt das laufend aktualisierte Programm, eine "wilde Mischung" aus alten Gags und neuer Empörung. Pispers, der Mann im Pullover, steht bis kurz nach 23 Uhr auf der Bühne und gibt sich wütend, kompromisslos und nicht zurückhaltend in der Wortwahl. "Raffgieriges asoziales Pack", das sind für ihn die Spitzenmanager, seine Zuhörer im Saal sind "feige Säcke", wenn sie nicht so reagieren, wie er möchte. 20 Prozent der Deutschen sind "Voll-Pfosten", oder auch, zur Integrationsdebatte: "Was für ein arrogantes Pack von Volk sind die Deutschen."
Diego und Pakistan-Hilfe
Pispers vergleicht die Spendensumme für Pakistan (17 Millionen) mit den 20 Millionen für den Fußballer Diego. Westerwelle und die FDP-Wähler ohne Hotelbesitz, die Schweiz und Schwarzgeld, die "Schlichtgestalt" Beckenbauer und die Wirtschaftsprognosen – Pispers findet zu allem eine deutliche Stellungnahme. Auch zu "Welt-Ökognom" Helmut Schmidt und zu dem Russen, der nicht mehr vor der Türe, sondern mit der Milchschnitte im Fernsehen steht. Explizit schießt er sich auf die Religion, insbesonders den Katholizismus ein. Gleichzeitig Christ und Kapitalist zu sein ginge nicht, Zinsen zu nehmen, sei einmal Sünde gewesen. "Man kann nur reich sein, wenn andere arm sind", sagt er und behauptet, 50 Prozent der Amerikaner wären froh, wenn sie den Lebensstandard der DDR vor ihrem Untergang hätten: "Die Amis sind die Griechen der Chinesen."
Die Grünen mit ihrem "biologisch voll abbaubaren Gewissen" kriegen seinen manchmal derben Spott ab, auch Angela Merkel, die versucht, der "Krise ein Gesicht zu geben." Trotz Barts parodiert Pispers die Kanzlerin treffend, auch sonst baut er komödiantische Elemente in seinen fast atemlos abgespulten Monolog ein. Terrorismus-Opfer vergleicht er mit Alkohol-Verkehrs-Toten, und die Zukunft sieht er so, dass bei "Überfremdung" und Klimakatastrophe in 100 Jahren in Deutschland nur noch Minarette aus dem Wasser rager.
Ein bisschen Spaß
Aber Pispers weiß, dass seine politische Aufklärung auch nach 28 Jahren Kabarett keine Wirkung hat: "Sie wollen nicht vernünftig regiert werden, Sie wollen ein bisschen Spaß im Kabarett haben." So ist es wohl. Von Pispers lässt man sich die schlechte Welt erklären, kann sich derweil auf der moralisch besseren Seite fühlen und geht "aufgerüttelt" nach Hause. Möglicherweise, so Pispers, mit der Befürchtung, dass es nur schlimm ist, wenn die Deutschen aussterben "und es ist noch Rente da".
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