Krefeld: Plan: Königstraße als Fußgängerzone
VON MARTIN RÖSE - zuletzt aktualisiert: 07.07.2010 - 12:22Krefeld (RPO). Der Entwurf des Luftreinhalteplans sieht weit reichende Maßnahmen für Krefeld vor: Neben einer neun Quadratkilometer großen Umweltzone soll es auch ein Fahrverbot auf der Königstraße zwischen Marktstraße und Petersstraße geben. Händler sind entsetzt.
Mit mehr als einem Jahr Verzögerung hat die Bezirksregierung Düsseldorf den Entwurf des Luftreinhalteplan für Krefeld fertiggestellt. Er sieht einschneidende Änderungen für den Straßenverkehr vor sowie Maßnahmen, die die Stadtkasse stark belasten werden und die Einzelhändler an der Königstraße empören. Ziel des Plans: die Schadstoffbelastung für die Krefelder so stark zu senken, dass sie nicht länger gegen EU-Grenzwerte verstößt.
Laut Weltgesundheitsorganisation WHO verkürzt die Feinstaubbelastung im Schnitt das Leben jedes Deutschen um zehn Monate. Die WHO empfiehlt deshalb Grenzwerte, die noch deutlich unter denen der Europäischen Union liegen. In Krefeld werden die EU-Grenzwerte derzeit an zahlreichen viel befahrenen Straßen überschritten.
Umweltzone
Gebiet Rund neun Quadratkilometer rund um das Stadtzentrum.
Verboten Ab 15. November gilt innerhalb der Umweltzone Fahrverbot für Autos ohne Plakette oder mit roter Plakette. Befreit vom Verbot sind Kfz, die über einen Handwerker-Parkausweis verfügen – allerdings längstens bis 31. Dezember 2010. 2011 wird die Schadstoffbelastung überprüft.
Gestern am frühen Abend unterzeichnete Abteilungsdirektorin Beate Bartels, verantwortlich für die Abteilung "Umweltschutz" bei der Bezirksregierung, das 193 Seiten starke Dokument, das unserer Zeitung vorliegt. Am 15. Juli wird der Entwurf einen Monat lang öffentlich gemacht (unter anderem auf der Internetseite der Bezirksregierung unter www.brd.nrw.de), bis 29. August kann jeder Krefelder Anregungen geben und Einwände geltend machen. Voraussichtlich Mitte September wird der Luftreinhalteplan in Kraft treten.
Die Krefelder Einzelhändler sind entsetzt über den Plan, die Königstraße zur Fußgängerzone zu machen. "Ein Fahrverbot ist ein großer Schlag gegen die Königstraße", erklärte Franz-Joseph Greve, Vorsitzender der Werbegemeinschaft. "Die Geschäfte dort laufen ja gerade deshalb so gut, weil Kurzzeitparken möglich ist. Wenn dort keine Autos mehr fahren dürfen, muss man sich um die Geschäftslage große Sorgen machen." Fußgängerzonen habe Krefeld bereits mehr als genug. Die Interessengemeinschaft Königstraße hatte vor knapp zehn Jahren in Eigeninitiative die Glasdächer errichtet, die die Einkaufsstraße zur Flaniermeile machen.
Auch bei der Stadtverwaltung sieht man Konfliktpotenzial beim Thema Königstraße. Planungsdezernent Thomas Visser erklärte auf Anfrage unserer Zeitung: "Mit dem im Entwurf empfohlenen Fahrverbot für die Königstraße haben wir als Stadt ein Problem. Da werden wir im Rahmen der Beteiligung etwas zu sagen."
Problematisch für die Stadt ist auch die Forderung der Bezirksregierung nach einer neuen Fahrzeugflotte. Noch im Jahr 2006 hatte die Stadt 209 Dieselautos ohne Partikelfilter im Einsatz – das waren 70 Prozent der Fahrzeugflotte. Zehn Prozent erfüllten gerade die Euro-Norm 1. Grünen-Ratsherr Christoph Bönders: "Schon 2007 haben wir eine Umrüstung auf umweltfreundlichere Autos angemahnt."
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