Krefeld: Politiker - ungeschminkt
VON HANS DIETER PESCHKEN - zuletzt aktualisiert: 28.06.2011 - 13:13Krefeld (RPO). Ein Fotografenehepaar hat Politiker beobachtet - auf der Jagd nach Bildern, die die Politiker ungeschminkt zeigen. Zu den Porträtierten gehört auch Otto Fricke. Die Ausstellung ist in der VHS zu sehen.
Zwölf Stunden zuvor saß er noch um 22 Uhr bei Anne Will im Berliner ARD-Studio. Relaxen, schlafen, fliegen, ein Radio-Interview für den WDR - und dann steht Otto Fricke (45) am Morgen am Rednerpult in der VHS. „Ich habe versucht, wieder frisch auszusehen“, sagt der FDP-Bundestagsabgeordnete und eröffnet die Fotoausstellung „Politik ungeschminkt.“ Neben den Fotos von Ilse Aigner zu hängen sei ihm eine Ehre, so ordnet er sich unter die 16 Porträtierten ein.
Das Fotografenpaar Angelika Kohlmeier (geb. 1962) und Bernd Kohlmeier (geb. 1953) hat die Abgeordneten aus allen Bundestagsfraktionen in ihren Wahlkreisen und zu anderen Gelegenheiten mit ihren Kameras besucht. „Hier begegnen uns Politiker als Bürger“, sagt Andreas Kaernbach, Kurator der Kunstsammlung des Deutschen Bundestages. „Endlich mal über Berlin hinaus“ kämen die Fotos, die auch schon in Berlin ausgestellt waren.
Ausstellung
„Politik ungeschminkt Studio Kohlmeier“ in der VHS, Von-der-Leyen-Platz 2: Bis zum 29. Juli 2011, bis zum 1. Juli von Montag bis Freitag von 9 bis 21 Uhr, ab dem 4. Juli von 9 bis 18 Uhr.
Der Betrachter soll seinen Vertretern auf Augenhöhe begegnen, die politischen Repräsentanten in menschlicher Nähe erleben. Das Fotografenpaar traf nur mündliche Absprachen mit den Politikern und arbeitete ohne Auftrag auf eigenes Risiko. Man erlebte keinerlei Einschränkungen bei seiner Arbeit, konnte sich den Menschen frei nähern. Schon bei den analogen Aufnahmen wurde das Format gewählt, nichts ist retuschiert und alle Fotos sind auf klassischem Schwarz-Weiß-Baryt-Papier kopiert und in einer limitierten Auflage von zehn Exemplaren erschienen.
Die „radikal-subjektive Fotosprache, gleichzeitig Reportage und künstlerische Fotografie“ so Kaernbach, zeigt Menschen, authentisch und frei von jeder Pose. Mal sind Köpfe ganz groß ins Format gesetzt, mal muss das prominente Gesicht in der Menge gesucht werden. Das Fotografenpaar hat immer zusammen fotografiert, aber Bernd Kohlmeier weiß nicht mehr, welche der ausgewählten Aufnahmen von wem stammt.
Otto Fricke ist am Uerdinger Rheinufer zu sehen, in der heimatlichen Umgebung. Eine Aufnahme zeigt ihn bei einer Sitzung im FDP-Ortsverband Tönisvorst, und eine dritte lässt ihn fremd erscheinen. Da trägt er einen Bart bei einer Pause für Filmaufnahmen auf der Insel Juist. Als Politiker fühlt er sich dargestellt, aber vor allem als „der Mensch, der dahinter steht.“ Die Fotos sollen auch die Antwort auf die Frage geben: „Wer macht die Demokratie?“
Otto Fricke macht sie seit 2002 im Bundestag, kam auf der Landesliste hinein. Der Rechtsanwalt ist Finanzfachmann und Parlamentarischer Geschäftsführer seiner Fraktion. Und er hat trotz aller Verpflichtungen noch Zeit, sich in der Runde der Ausstellungseröffnungsbesucher - Oberbürgermeister Gregor Kathstede und Kulturdezernent Roland Schiffer waren auch gekommen - noch zu einem Kaffee vor das VHS-Haus zu setzen.
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