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Krefeld: Polizei warnt: Eisflächen meiden

VON SEBASTIAN PETERS UND JENS VOSS - zuletzt aktualisiert: 06.02.2012

Krefeld (RP). Trotz nun Tage währender klirrender Kälte ist es gefährlich, Eisflächen zu betreten – die Polizei warnt davor; die Stadt betont, sie gebe keine Eisflächen "frei". Zugleich werden die Anstrengungen zur Betreuung Obdachloser verstärkt.

Lebensgefährlich: Ein Junge auf dem zugefrorenen Waldsee; als er entdeckt wurde, wurde er sofort aufgefordert, vom Eis zu kommen.   Foto:  Lothar Strücken
Lebensgefährlich: Ein Junge auf dem zugefrorenen Waldsee; als er entdeckt wurde, wurde er sofort aufgefordert, vom Eis zu kommen. Foto: Lothar Strücken

Die Krefelder Polizei nimmt den Tod eines Mannes, der im Hinsbecker Bruch im Eis eingebrochen und ertrunken ist, zum Anlass, um eindringlich davor zu warnen, Eisflächen zu betreten. Die Polizei könne keine Patrouillen an Krefelds Gewässern fahren, gehe aber Hinweisen auf riskante Ausflüge aufs Eis nach, erklärte gestern ein Polizeisprecher auf Anfrage. Es sei ein weit verbreiteter Irrtum, dass die Polizei Eisflächen "freigebe", hieß es weiter. Auch die Stadt Krefeld hat klargestellt, dass sie Eisflächen grundsätzlich nicht "freigibt": Schon aus Versicherungspflichtgründen würde die Stadt niemals dazu raten, Eisflächen zu betreten.

Die Kälte stellt auch Hilfsinstitutionen vor besondere Aufgaben: Der Andrang auf die Notschlafstelle und den Tagesaufenthalt der Diakonie an der Lutherstraße ist sehr groß. Die Diakonie reagiert: Sie stellte am Samstag einen großen Topf heißer Suppe für die gut 220 Krefelder Obdachlosen bereit, die es laut Diakonie derzeit in Krefeld gibt. "Wir beobachten einen großen Ansturm", berichtet Ludger Firneburg, der sich um die Betreuung der Wohnungslosen kümmert. 30 Leute pro Tag kämen derzeit, um sich zu wärmen. Für Firneburg ist die derzeitige Not der Obdachlosen der beste Beweis dafür, wie nötig sowohl das Tagesbetreuungsangebot als auch die Nachtunterkunft der Diakonie sind.

Die Diakonie fürchtet, dass sie ihr derzeitiges Angebot für Wohnungslose nicht aufrechterhalten kann. Ludger Firneburg sagt: "Uns fehlt Personal an allen Ecken und Enden." Noch vor einem Jahr gab es zwölf Ein-Euro-Kräfte für die Notunterkünfte, der Bund hat diese Programme zurückgefahren, so dass mittlerweile nur noch drei Ein-Euro-Kräfte dort arbeiten. Ludger Firneburg: "Da es kommunale Aufgabe ist, Angebote für Wohnungslose vorzuhalten, wenden wir uns mit der Bitte an die Stadt, finanzielle Unterstützung zu gewähren." Im neuen Haushalt sind jedoch diese Zuschüsse für die Tagesbetreuung (66 000 Euro) nicht genehmigt worden. Die SPD kritisierte dies am Wochenende: "Für eine solche eiskalte Entscheidung gegen die Obdach suchenden Menschen in der Stadt habe ich kein Verständnis. Das ist keine Entscheidung, die von Nächstenliebe und sozialer Gerechtigkeit geprägt ist, sondern eine soziale Schieflage, mit der wir uns nicht abfinden dürfen", erklärte Doris Nottebohm (SPD).

Für Obdachlose gibt es in Krefeld mehrere Anlaufstellen: So war am Wochenende ein "Kältebus" der Obdachlosenhilfe Linker Niederrhein in Krefeld unterwegs. Für Drogenabhängige gibt es von der Caritas das Café Pause am Westwall für den Tag und die Notschlafstelle an der Melanchtonstraße. Zusätzlich bietet die Stadt 30 Notschlafplätze für die Nacht an der Philadelphiastraße an. Die Diakonie bietet neben der Tagesbetreuung auch eine Notschlafstelle für die Nacht an. Je 7000 Übernachtungen und Tagesaufenthalte in ihren Einrichtungen zählte die Krefelder Diakonie in 2011; jede Übernachtung eines Obdachlosen wurde dabei einzeln gewertet.

85 Prozent der Obdachlosen sind Männer. Nicht alle würde man erreichen. "Es gibt Obdachlose, die selbst bei diesen kalten Temperaturen draußen schlafen. Aber die können wir nicht zwingen. Wir laufen auch nicht durch Krefeld und sammeln die Obdachlosen ein", sagte Diakonie-Mitarbeiter Firneburg.

Quelle: RP/url


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