Krefeld: Professor im Visier der Fahnder
VON MAXIMILIAN PLÜCK - zuletzt aktualisiert: 22.12.2007Krefeld (RPO). Ein Dozent der Hochschule Niederrhein steht unter Betrugsverdacht. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, Fördermittel veruntreut zu haben. Die Hinweise sind so konkret, dass die Ermittler seine Büros durchsuchten.
Eigentlich sollte mit dem Geld ein neuartiger Antrieb für eine Strickmaschine entwickelt werden. Doch am Ende könnten die Fördermittel eines Professors der Hochschule Niederrhein versickert oder an völlig anderer Stelle eingesetzt worden sein. Gegen den Dozenten ermittelt die Krefelder Staatsanwaltschaft deshalb wegen Betrugsverdachtes. Die Hinweise wurden jetzt so konkret, dass die Ermittler seine Büros durchsuchten und Unterlagen sowie mehrere Festplatten beschlagnahmten.
Rund 200 000 Euro
Das verschwundene Geld stammt nach Angaben von Oberstaatsanwalt Hans Dieter Menden von der Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen (AiF) in Köln. Dort war gestern niemand bereit, zu den Anschuldigungen gegen den Professor Stellung zu nehmen. Menden schätzt die Summe auf etwa 200 000 Euro.
Den Stein ins Rollen gebracht hat nach Angaben von Hochschul-Pressesprecher Rudolf Haupt die Hochschulverwaltung selbst. Sie stellte Unregelmäßigkeiten im Bereich der so genannten Drittmittel fest. Dabei handelt es sich um Geld, das aus der Privatwirtschaft für Forschungsprojekte zur Verfügung gestellt wird. Das Fördergeld habe der Professor nicht für den mit den Auftraggebern vereinbarten Zweck verwendet. Als die Unregelmäßigkeiten ans Licht kamen, schaltete der Hochschulrektor die Staatsanwaltschaft ein und veranlasste zugleich ein internes Disziplinarverfahren gegen den Professor.
Ein Sachverständiger bestätigte dann, dass der Professor zwei Unternehmen mit der Entwicklung des Antriebssystems beauftragt habe. Es sei aber höchst zweifelhaft, dass diese überhaupt in der Lage waren, den Antrieb zu entwickeln, so Menden. Wofür die 200 000 Euro also flossen, ist unklar.
Seit rund zehn Jahren lehrt der Beschuldigte an der Hochschule Niederrhein. Haupt bezeichnet ihn als eine „Kapazität auf seinem Gebiet“. Noch gibt es für die Studenten keine Einschränkungen. Lediglich Diplomarbeiten darf der Professor auf Weisung des Prüfungsausschusses nicht mehr abnehmen. Die Vorlesungen laufen regulär weiter. Doch auch für den Fall, dass sich der interne Ermittler zu einer Suspendierung entschließt, sei die Hochschule vorbereitet. „Die Vorlesungen würden dann weiterlaufen“, sagt Haupt. Zur Not könnten Lehrbeauftragte aus der Privatwirtschaft einspringen.
Da der Professor offenbar kein Geld der Hochschule sondern Drittmittel veruntreut haben könnte, hofft Haupt, dass der Imageschaden begrenzt sei. „Überall wo hohe Summen im Spiel sind, sind sie vor Veruntreuung nicht gefeit“, meint der Pressesprecher. Die Kontrollmechanismen der Hochschule seien aber trotzdem ausreichend.
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