Krefeld: Prozess: Autokäufer erstochen
zuletzt aktualisiert: 25.04.2009Krefeld (RPO). Hat Maxim P. sein Opfer kaltblütig im Schlaf erstochen oder kam es bei einem Streit zu dem tödlichen Stich in den Hals? Das ist die Kernfrage für die Zweite Große Strafkammer des Landgerichts.
Freitag begann der Prozess gegen den 27-Jährigen in Russland geborenen Deutschen. Die Anklage wirft dem Arbeitslosen vor, am 8. Juni gegen drei Uhr in seiner Wohnung an der Gladbacher Straße einen 38-jährigen Ukrainer mit einem Messerstich in den Hals getötet zu haben.
Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass Maxim P. wusste, dass der Ukrainer in Krefeld ein Auto kaufen wollte und daher eine große Geldsumme bei sich trug. Das Opfer habe P. in der Nähe des Friedrichsplatzes abends angesprochen, weil es ein Hotel suchte und hörte, dass der Angeklagte sich auf Russisch unterhielt. Maxim P. soll dem Ukrainer angeboten haben, für 50 Euro bei ihm zu übernachten.
In der Wohnung habe man kräftig dem Alkohol zugesprochen. Ab diesem Punkt gehen die Anklage und die Aussage des 27-Jährigen auseinander. Laut Klageschrift habe der Angeklagte, der Schulden hatte, beschlossen, seinen Gast zu töten, denn er vermutete viel Geld bei diesem. Als er festgestellt habe, dass sein Opfer schlief, habe er den Mann mit einem wuchtigen Stich in den Hals getötet. Aus dem Brustbeutel des Leichnams habe er 11 000 Euro entnommen und den toten Körper drei Tage später in einem Wald bei Hünxe versteckt.
Maxim P., der gestand, den Ukrainer getötet zu haben, stellte die eigentliche Tat anders dar. In der Wohnung sei es alkoholbedingt zu einem heftigen Streit gekommen, weil der Gast der Forderung nach Vorauskasse nicht nachkommen wollte. Im Verlauf dieses Streites habe P. plötzlich ein Messer, das zum Wurstschneiden auf dem Tisch lag, in der Hand gehabt und schon sei es passiert. Später, als er die Leiche vom Bett auf den Boden zog, habe er das Geld – P. spricht von 7500 Euro – bemerkt und an sich genommen.
Alkohol und Drogen spielen eine erhebliche Rolle bei der Wahrheitsfindung, denn sowohl der Täter als auch die Zeugen berufen sich auf Gedächtnisausfälle. Allerdings belastete der erste Zeuge den Angeklagten sehr. Ihm hatte P. erzählt, dass das Opfer geschlafen habe, aber: "Ich habe gelegen und gelegen, dann hat es Klick gemacht. Ich bin aufgestanden, habe ein Messer geholt und ihn erstochen."
Am Dienstag wird der Prozess fortgesetzt.
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