Krefeld: Prozess eskaliert – Richterin ruft Polizei
VON BIRGIT LAMEYER - zuletzt aktualisiert: 06.08.2009Krefeld (RPO). Weil sie bei einer Verfolgungsjagd absichtlich eine Autofahrerin gerammt und dann auch noch einen Unfall provoziert haben sollen, müssen sich seit Mittwoch Vater und Sohn aus Krefeld vor dem Jugendschöffengericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr, gefährliche Körperverletzung, Nötigung und unerlaubtes Entfernen vom Unfallort vor.
Im August vergangenen Jahres sollen die beiden eine Frau und ihre zwei Kinder im Auto verfolgt und mehrmals gerammt haben. Dabei sei die Drohung gefallen, die Geschädigte und ihre Familie zu töten. In Panik hatte die Frau eine rote Ampel missachtet und auf der Straße einen Unfall mit mehreren Beteiligten verursacht.
Die Angeklagten bekannten sich gestern nicht zu ihrer Schuld. Wortgewaltig und eindrucksvoll schilderte dagegen die Geschädigte den Vorfall. "Er fuhr ganz dicht hinter mir her, dann fuhr er mir ins Auto rein" warf sie dem Angeklagten vor. Dann habe er sie weiter verfolgt und unablässig bedrängt. "Irgendwie wollte der mich von der Straße drängen", so ihre Überzeugung. Zweimal habe das andere Auto ihres noch berührt. Schockiert sei sie gewesen, als sie aus dem anderen Wagen die Drohung: "Ich werde euch jetzt umbringen!" vernahm. Dann habe sie nicht mehr gewusst was sie machen soll und auf das Gaspedal gedrückt.
Hintergrund der Tat sei ein Streit zwischen zwei verfeindeten Familien. Von denen schien sich ein Großteil auch im Zuschauersaal zu befinden. Während der ohnehin schon schwierigen Vernehmung mischten sich immer wieder lautstark Zuhörer in die Verhandlung ein und unterbrachen die Vernehmung mit Kommentaren und Klingeltönen ihrer Handys. Einen besonders hartnäckigen Störenfried wies die Richterin aus dem Saal. Einer der Besucher wurde im Gerichtsgebäude von seinem Vater geohrfeigt.
Während einer kurzen Pause zur Beruhigung aller Beteiligten hatte der Streit dann zu eskalieren gedroht, so dass die Polizei gerufen werden musste. Weil die Richterin weitere Übergriffe und Lärmbelästigungen vermutete und die öffentliche Ordnung in Gefahr sah, schloss sie nach Beratung mit allen Beteiligten die Öffentlichkeit von der Verhandlung aus. Der Prozess wird fortgesetzt.
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