Krefeld: Rettungsaktion für Relief
VON IRMGARD BERNRIEDER UND HERIBERT BRINKMANN - zuletzt aktualisiert: 10.02.2012Krefeld (RP). Kunstfreunde um Architektur Professor Ernst Althoff wollen Teile des Reliefs von Rolf Crummenauer am Papst-Johannes-Haus retten. Das Gebäude soll abgerissen werden und Platz machen für den Volksbank-Neubau.
Für den Neubau der Volksbank wird das Papst-Johannes-Haus an der St. Anton-Straße abgerissen. Zurzeit wird aber erst das Gelände entrümpelt. Mit dem Gebäude soll auch die Kunst am Bau, ein Relief von Rolf Crummenauer, ehemaliger Professor an der Kunstakademie Düsseldorf, verschwinden. Was jetzt hinter dem Bauzaun nahezu ganz verdeckt ist, will quasi in letzter Minute ein kleiner Kunst-Freundeskreis retten.
Dazu gehören der Architekt Prof. Ernst Althoff und der Krefelder Künstler und Crummenauer-Schüler Axel Vater. Sie haben bereits vor einem Jahr im April 2010 Kontakt mit dem Bauherrn Volksbank aufgenommen. Dieser gab ihnen die Erlaubnis, Teile des Reliefs abzunehmen und zu retten. Die Volksbank selber habe daran kein Interesse, erklärte gestern Wolfgang Bortz von der Volksbank Krefeld. Über Geld sei bisher nicht gesprochen worden; die Aktion müssten die Kunstfreunde alleine finanzieren. Althoff sprach von 5000 Euro, an denen jetzt die Rettung von zehn Elementen zu scheitern droht: "Wir haben kein Geld."
Crummenauer
Geboren 1925 in Ruhrort. Studium an der Kunstakademie Düsseldorf 1943/44. Kriegsdienst und Gefangenschaft. 1946 bis 1949 Weiterführung des Studiums an der Kunstakademie Düsseldorf. Ab 1952 Lehrauftrag und ab 1967 Professur. Werke in der Sammlung Schloss Moyland. Er starb am 3. Januar 1999 in Meerbusch.
Nach geglückten Rettungsaktionen von Kunst am Bau, etwa an der Bibliothek und Stadtsparkasse, und zuletzt in den ehemaligen Städtischen Kliniken, scheint es aktuell für das Relief von Rolf Crummenauer kein Überleben zu geben. Die Duisburger Firma Engels hat den Auftrag, das Papst-Johannes-Haus abzureißen. Das Relief aus Betonelementen wurde Anfang der 1970er Jahre an der Erdgeschoss-Fassade zur Sankt-Anton-Straße angebracht. Die streng geometrisch gegliederte Arbeit entspricht der Kunstavantgarde jener Jahre. Seine neue Ästhetik wurde in den 1980er Jahren mit industriell vorgefertigten Elementen aus Stahl und Beton, etwa bei der Verkleidung von Fassaden, vielfach nachgeahmt.
Werke von Crummenauer sind in der Sammlung Schloss Moyland zu finden. In den 1960er Jahren gehörte er der Radiergemeinschaft Osterath an. Dieser Künstlergruppe im Atelier von Holger Runge gehörten auch Erwin Heerich, die Brüder Hans und Franz Joseph van der Grinten sowie André Thomkins an. Als die Volksbank Krefeld als Eigentümerin bekundete, das von der Diözese erworbene Gebäude abreißen zu wollen, stuften Sachverständige des Rheinischem Amtes für Denkmalschutz das Haus als nicht denkmalwürdig ein. Dieses Urteil verwunderte keinen, betraf aber auch Crummenauers Relief, von dem die wenigsten wussten. "Denkmalschützer befinden in der Regel nicht über Kunst", sagt Veit Beroth von der hiesigen Unteren Denkmalschutzbehörde zur Grauzone zwischen Denkmal- und Kunstschutz.
Der Denkmalausschuss hat folgerichtig den Fall Crummenauer an den Kulturausschuss weitergeleitet. Dessen nächste Sitzung findet Ende Februar statt, kommt also wohl zu spät.
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