Krefeld: "Rock'n'Roll gehört auf die Straße"
zuletzt aktualisiert: 23.02.2009Krefeld (RPO). BAP spielen am 18. März im Krefelder König-Palast. Sänger Wolfgang Niedecken erklärt im Interview mit der RP, was er am heutigen Rosenmontag macht, warum er ein echtes Volkslied geschrieben hat und was die Krefelder von BAP erwarten dürfen.
Im Büro von Wolfgang Niedecken atmet der Gast BAP-Geschichte: Plakate aus mehr als drei Jahrzehnten Band-Geschichte hängen an der Wand, diverse Devotionalien (Geißbock, Lenkrad mit Leopardenfell) schmücken die Fensterbank. Auf dem Couchtisch liegen zwei Bierdeckel – einer aus Papier vom Hotel Bayerischer Hof, einer vom FC Köln. Der Gast weiß: Wo der FC-Deckel liegt, wird Niedecken sitzen. Seine Assistentin stellt schnell noch eine Tasse Tee (Niedecken: "Ich trinke nur noch Tee, kaum noch Kaffee") auf den Deckel. Dann beginnt das Interview.
Es fällt schwer, sich Wolfgang Niedecken als Karnevalisten vorzustellen. Was unternehmen Sie an Rosenmontag?
Karten für die Tour
Das Konzert Die Tour zu Radio Pandora ist bereits gestartet. Am 18. März spielen BAP im König-Palast. Karten gibt es unter anderem im Internet auf der Seite ww.rp-tickets.de.
Das Album Im Frühjahr 2009 veröffentlichten BAP ihr Doppelalbum "Radio Pandora" (plugged & unplugged). Demnächst erscheint ein Live-Album.
Niedecken Ich bin über die Karnevalstage in Uganda, dort unterstütze ich das Projekt "World Vision", das sich um Kindersoldaten kümmert. Karneval ist da weit weg. Das letzte Mal groß Karneval gefeiert habe ich in Köln 1981. Seitdem ziehe ich es vor, an Rosenmontag unterwegs zu sein, um dem Trubel zu entgehen. In meiner Familie gibt es aber unterschiedliche Meinungen, manche finden Karneval nur okay, andere lieben ihn. Ich akzeptiere ihn, aber muss mich nicht im Sitzungssaal zeigen.
Und dennoch ist BAP dort präsent. Das Lied "Aff on zo" ist ja inzwischen ein karnevalistisches Standardwerk. Stört Sie das?
Niedecken Ganz und gar nicht. Es gibt für einen Songwriter kein größeres Kompliment, als wenn sein Lied irgendwann im wahrsten Worte Volkslied geworden ist. Übrigens wird auch "Verdamp lang her" häufig im Karneval gesungen.
Ein Lied über die Erinnerung, das gut zu BAP passt. In Ihrem Büro hängen viele Tour-Plakate. Bei Konzerten schmücken Erinnerungsstücke den Bühnenraum. Ist Wolfgang Niedecken ein Nostalgiker?
Niedecken Auf jeden Fall ein Sammler. Bei meinen bisherigen Umzügen habe ich höchstens ein halbes Jahr gebraucht, um die Wohnung zu füllen. Ich brauche Gegenstände, die mich an früher erinnern. Vielleicht merkt man diese Sammelleidenschaft auch der Musik an.
BAP-Lieder haben in ihren Texten immer auch Position zu Politik und Gesellschaft bezogen. Wie geht der Songwriter Wolfgang Niedecken heute mit der Krise um?
Niedecken Das relativiert sich. Das ist ja nicht die erste Krise, über die wir ein Lied geschrieben haben. Auch in früheren Songs habe ich schon die Schicksale von Arbeitslosen thematisiert.
Verstehen Sie denn BAP noch als politische Band? Sie selbst äußern sich häufig dazu, nicht zuletzt aufgrund des Einsatzes für Afrika. Von den anderen Bandmitgliedern hört man weniger.
Niedecken Die anderen Musiker von BAP werden einfach nicht so oft nach ihrer politischen Meinung gefragt. Ich merke aber, dass meine Meinung in der Band geschätzt ist. Ab und an kommt mal einer von denen, klopft mir auf die Schulter und sagt: "Wolfgang, ist gut, dass Du das machst."
Das jüngste Album "Radio Pandora" hat BAP wieder an die Spitze katapultiert. Platz eins eine Woche nach Verkaufsstart, wie fühlten Sie sich, als die Nachricht Sie erreichte?
Niedecken Ich würde lügen, wenn ich sagte, dass mich das nicht berührt. Unsere Plattenfirma erzählte mir am Telefon davon, abends habe ich ein Fest gegeben. Das war Erleichterung pur.
Dabei würde man denken, dass Niedecken sich von Verkaufszahlen nicht irritieren lässt.
Niedecken So sehr man sich als Künstler auch fern halten will von Verkaufszahlen als maßgeblichen Kriterium von Qualität – es berührt einen deshalb, weil man merkt, dass die Leute die Musik mögen. Ich sehe mich als eine Art Sisyphos, der den Stein mit jedem Mal neu den Berg hochrollen muss. Wenn es, wie bei "Radio pandora" mal leichter rollt, fühlt es sich gut an.
Motiviert einen der Erfolg für die Tour, die auch nach Krefeld führt?
Niedecken Ja und Nein. Wenn eine Tour losgeht, werden die bedient, die da sind. Das war bei uns immer so, wir sind gerne auf Tour. Im Laufe der Jahre hat sich bei BAP ein Leitspruch entwickelt, der immer noch Gültigkeit hat: "Rock'n'Roll gehört auf die Straße". Das klingt pathetisch, ist aber ernst gemeint.
In Köln füllen Sie mühelos solch große Hallen, im restlichen NRW scheint es mittlerweile schwerer zu sein.
Niedecken Ich war auch überrascht als ich hörte, dass wir im großen König-Palast spielen. Ich dachte, wir spielen dort, wo wir schon vor 20 Jahren mal auftraten.
Was können die Besucher des Krefelder Konzertes erwarten?
Niedecken Ich verrate kein Geheimnis, wenn ich sage, dass BAP-Konzerte in der Regel drei Stunden dauern. Ein Drittel neues Material, zwei Drittel Altbekanntes. Welche Titel das genau sind, das entscheiden wir oft von Abend zu Abend.
Und der Höhepunkt?
Niedecken Die sind immer neu. Auf unserer bald erscheinenden Live-CD zum Beispiel gibt es das Lied "Für 'ne Moment", auf dem ich alleine vor 8000 Zuschauern in Köln eine Hommage an meine Heimat singe. Ich vermeide es eigentlich, großer Lokalpatriot zu sein. Aber das musste raus.
Niedecken, der FC-Fan und Dialekt-Singer, will kein Lokalpatriot sein? Das überrascht.
Niedecken Natürlich ist Köln eine besondere Stadt. Zuletzt zeigte sich das für mich, als die rechtsextreme Partei Pro Köln hier ihren Anti-Islamierungsgipfel starten wollte und die Bürger friedvoll dagegen protestiert haben. Da war ich richtig stolz, ein Kölner zu sein. Was an diesem Tag auf den Straßen abging, war fast wie Karneval. Da habe ich gemerkt: Karneval ist in Köln, dieser Stadt mit jeder Menge Ritualen, eigentlich immer. Und, wenn ich recht überlege, auch jedes BAP-Konzert ist ein bisschen wie Karneval.
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