Krefeld: Roter Klangteppich für Pianistin
VON INGO HODDICK - zuletzt aktualisiert: 19.10.2006Krefeld (RPO). Das dritte Konzert der Niederrheinischen Sinfoniker stand unter dem Motto „Erinnern“. Als Solistin spielte die polnische Pianistin Ewa Kupiec Stücke von Chopin und Szpilman, und der neue Erste Soloklarinettist stellte sich mit Lutoslawskis „Tanzpräludien“ vor.
3. Sinfoniekonzert
Programm Lutoslawski, Tanzpräludien; Chopin, Klavierkonzert f-Moll Nr. 2 op. 21; Wladyslaw Szpilman, Concertino für Klavier und Orchester; Kurt Weill, 2. Sinfonie.
Solisten Ewa Kupiec (Klavier); Olaf Scholz (Klarinette), neuer Soloklarinettist der Niederrheinischen Sinfoniker (in Lutoslawskis Tanzpräludien).
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Das jüngste Krefelder Sinfoniekonzert unter dem Motto „Erinnern“ – nach Martin Buber das Geheimnis der Erlösung – war sicher ein Höhepunkt der Spielzeit, nicht nur dank der erstklassigen Solistin, der polnischen Pianistin Ewa Kupiec. Sie spielte zwei Klavierkonzerte von Landsmännern: das in f-Moll von Frédéric Chopin und, nach der Pause noch mehr bejubelt, das Concertino von Wladyslaw Szpilman (1911-2000). Der Musiker wurde bekannt durch den 2002 von Roman Polanski gedrehten Erfolgsfilm „Der Pianist“, der auf den Erinnerungen des polnischen Komponisten basiert.
Szpilman überlebte die letzten Kriegsmonate nur dank der Hilfe des Wehrmachtsoffiziers Wilm Hosenfeld. Unfassbar, dass Szpilman das vor Lebenslust strotzende Concertino während seiner Jahre im Warschauer Ghetto in ständiger Todesangst komponierte. Es wirkt so, als habe George Gershwin eine liebevolle Chopin-Parodie geschrieben.
Ewa Kupiec spielt Chopin wie Szpilman – mit ganz natürlich fließender Virtuosität, die sie nie in den Vordergrund drängt. Generalmusikdirektor Graham Jackson breitete seiner Solistin mit den bestens disponierten und konzentrierten Niederrheinischen Sinfonikern gleichsam einen roten Teppich aus, oft funkelnd und glänzend, auch mal wie aus Samt. Auf die Musik von Szpilman stieß die Pianistin übrigens nur rein zufällig, als sie in Hamburg zum Zahnarzt ging – er war der Sohn des Komponisten.
Das ganze Konzert wurde in einen sinnvollen Rahmen gesetzt: zum einen durch die fünf kurzen „Tanzpräludien“ in der Fassung für Klarinette und Kammerorchester (neben den Streichern nur Harfe, Klavier und Schlagzeug), der „Abschied von der Folklore“ des polnischen Meisters Witold Lutoslawski, der Wladyslaw Szpilman ebenfalls in der Zeit der Naziherrschaft unterstützte. Hier profilierte sich vor allem der neue Erste Soloklarinettist der Niederrheinischen Sinfoniker, der 1974 geborene Ausnahmemusiker Olaf Scholz, mit teils schmeichelzarten, teils pfeilgenauen Tönen.
Zum anderen jene zweite Sinfonie, die Kurt Weill 1933 im Pariser Exil schuf und in der er seinen Songstil erfolgreich auf die Konzertmusik übertrug. Ein gefundenes Fressen für Graham Jackson und das Orchester, die mit viel Schwung, Präzision und Sinn für Klangfarben eine Spitzenleistung lieferten.
Diese musikalische Darbietung hätte in jeder Großstadt-Philharmonie Bestand gehabt.
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