Krefeld: Schildkröte im Stadtwald gequält
VON DIETER HILLA - zuletzt aktualisiert: 14.08.2007Krefeld (RPO). Spaziergänger haben am Sonntag im Stadtwald eine Schildkröte gefunden. In einer Hütte hing sie lebend an einem Angelhaken. Die Spaziergänger brachten sie ins Tierheim. Heute wird die Schildkröte operiert.
Es sollte ein gemütlicher Sonntagnachmittag im Stadtwald werden. Thomas Ermentrud war mit seiner Tochter Julia unterwegs. Immer die gleichen Wege gehen? Nein, das war Julia zu langweilig. Sie lief mit ihrem Vater durchs Gestrüpp, suchte Stellen im Stadtwald, die sie noch nicht kannte.
Plötzlich, rund zehn Meter vom Weg entfernt, standen beide vor einer Hütte. Irgendjemand hatte eine etwa zwei mal fünf Meter große Stelle im Gebüsch freigeschlagen, den Boden gesäubert und die Hütte an einer Seite mit einer Art Tür versehen. Selbst der Vater konnte fast aufrecht darin stehen. Darüber: dichtes Blätterwerk. Wer sich dahin zurückzieht, der wird nicht leicht gefunden.
Die Freude über dieses Versteck währte bei Julia nicht lange. In der Mitte der Hütte hing eine Schildkröte an einem Angelhaken und zappelte. Schnell befreiten sie und ihr Vater das Tier und brachten es zum Tierheim. Heute muss die Schildkröte operiert werden, wie der Tierrettungsdienst gestern erklärte. Der Angelhaken hängt so im Maul fest, dass er anders nicht zu lösen ist. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Kröte überlebt, ist hoch, betonte der Tierretungsdienst. Einfach ist der Eingriff nicht.
Sehr verwundert war Thomas Ermentrud über den Zustand des Verstecks und der Umgebung. Denn ganz in der Nähe, am Ufer des Stadtwaldweihers, haben Unbekannte einen Baum unfachmännisch gefällt. „Wahrscheinlich wollten die Platz zum Angeln haben“, sagt Ermentrud und weist am Ufer auf den Abdruck eines Eimers. Daneben liegen ein paar Mandarinenschalen – Reste der Stärkung für den Angler?
Warum die Schildkröte in dem Versteck aufgehängt wurde, ist für Ermentrud ein Rätsel. Eine mögliche Erklärung für Ermentrud: Ein Angler hatte die Schildkröte am Haken. Als er den schnell aus dem Wasser zog, flog die Schildkröte hinter den Angler, blieb im Gestrüpp hängen und die Leine riss ab. Die andere Erklärung: böswillige Tierquälerei.
Wie Planungsdezernent Thomas Visser erläuterte, wurde in den vergangenen Jahren immer wieder beobachtet, dass unterschiedliche Tiere ins Wasser geworfen wurden. Auch Angeln ohne Angelschein sei keine Seltenheit dort. Die Stadt will jetzt an der Stelle schnell für Ordnung suchen.
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