Krefeld: Schöne Bescherung
VON MOJO MENDIOLA - zuletzt aktualisiert: 08.12.2009Krefeld (RPO). Rainer Pause und Norbert Alich auf der Kabarettbühne im ausverkauften Saal der Kufa: Ein bisschen Adventsstimmung, wortgewandte Streitgespräche und ein Schlager-Medley um das Schweinegrippe-Virus ließen die Zuschauer jubeln.
Auf der Kufa-Bühne stand ein Weihnachtsbaum, und ein Pianist läutete mit einem Glöckchen den zweiten Adventssonntagabend ein. "Macht hoch die Tür" drosch er in die Tasten, und Fritz alias Rainer Pause und Hermann alias Norbert Alich ließen das Lied mit ihren beachtlichen Bassstimmen in den ausverkauften Saal der Kulturfabrik schallen.
Aber schon nach der ersten Strophe gerieten sie in den unvermeidlichen Streit, denn beim König im Lied dachte Herman sogleich an den Preußenkönig und seine Invasion des Rheinlandes, als die Franzosen uns nicht mehr beschützen konnten, und erklärte Berlin kurzum zur polnischen Stadt. Fritz jammerte, wie immer, dass Hermann alles durcheinander bringe, und schimpfte seinerseits, dass uns Weihnachten "jedes Jahr die Session kaputt haut. Gerade hat man sich ins normale Leben zurückgetrunken..."
Bitterernst wurde es jedoch, als Fritz sich echauffierte: "Musste denn erst ein Prominenter vor den Zug springen, damit über solch verzweifelte Menschen endlich mal gesprochen wird? 10 000 Menschen pro Jahr nähmen sich das Leben, kein Hahn krähe danach, und am schlimmsten wäre das "verlogene Geseiere" der Fußballfunktionäre gewesen. Donnernder Zwischenapplaus. Mit einem schwungvollen Bossa Nova fand man in die Weihnachtsgeschichte zurück und über Herodes, den "fiesen Möpp", auch wieder zum Thema Alkohol.
Denn hätte sich die Katholische Kirche am heiligen Goar ein Beispiel genommen und den Wein statt des Schwertes in den Mittelpunkt ihrer Mission gestellt, dann wären die Kreuzzüge völlig anders verlaufen, und wir Heutigen hätten keine Probleme mit islamistischem Extremismus. Dabei hatte doch in Kanaan alles so schön angefangen, als Jesus persönlich Wasser in Wein verwandelte. Auch an dieser Stelle fehlte Fritz' markantes Kichern nicht, und im Duett verspotteten die beiden zur Melodie von "Pin Ball Wizard" die inzwischen verrenteten 68er.
Nach der Pause gab's die Diagnose, dass die SPD nicht an der Schweinegrippe sterbe, sondern aus eigener Kraft, und musikalisch musste nicht nur ein ganzes Schlager-Medley an das Virus glauben, sondern auch Schuberts Winterreise an Hermanns Einsamkeit. Ein spritziger Abend und Jubel im Saal.
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