Krefeld: Schöner anziehen
VON DIETER HILLA - zuletzt aktualisiert: 15.09.2007Krefeld (RPO). Mit Jogginghose oder bauchfrei in die Innenstadt? Kleider machen nicht nur Leute, sondern auch die Stadt schön, sagen Händler. Und plädieren für schöne Samt- und Seidenstädter.
Wenn zur Straßenmodenschau die hübschen Models über die Bühne schreiten, putzen sich auch viele Krefelder gerne raus. Doch das ist im Alltag nicht so: „Es ist schade, wenn Menschen schlecht angezogen in der Stadt herumlaufen“, beklagt Peter Schwinn, Optiker am Ostwall. Früher hätten sich die Bürger „stadtfein“ gemacht, wenn sie ins Zentrum gingen.
„Wenn Leute im Jogging-Anzug einkaufen gehen, habe ich kein Verständnis dafür“, sagt Oberbürgermeister Gregor Kathstede. Auch die Art, wie Menschen gekleidet seien, präge das Bild einer Stadt. Deshalb freue er sich, wenn sich die Menschen schick machten.
Brigitte Tietzel, die Leiterin der Textilmuseums, hat auf ihrer jüngsten Reise die Frauen in Estland bewundert: „Die sind sehr hübsch und elegant gekleidet, obwohl sie nicht viel Geld haben.“ Die deutschen Frauen hingegen zögen sich nicht besonders gut an. Jeans seien zwar praktisch, aber der Verzicht auf Weiblichkeit in der Bekleidung sei schade. Wer sich gut kleide, tue seinem Wohlbefinden etwas Gutes und vermeide, andere durch sein Aussehen vor den Kopf zu stoßen.
„Ich fände es gut, wenn die Menschen sich bewusst wären, welchen Eindruck sie auf ihr Umfeld machen“, sagt Franz-Joseph Greve, Vorsitzender Werbegemeinschaft. Mode spreche das Sehen an und mache Spaß. Sie habe aber auch mit Umgangsformen zu tun, die uns in den vergangenen Jahren etwas aus der Hand geglitten seien. Greve plädiert ans Krefelder Bewusstsein: „Der Hofkehrer von der Seidenweberei war kein Proletarier wie im Ruhrpott, sondern ein Seidenstädter, der sonntags seinen weißen Seidenschal umlegte.“
Gut gekleidet durch die Stadt zu gehen verlangt heutzutage laut Schwinn sogar Mut: „Wenn sich jemand gut anzieht und eine Seidenkrawatte umbindet, wird er schief angeguckt.“
Was aber ist gute Kleidung? Sie muss geschmackvoll und aufeinander abgestimmt sein, sagt Schwinn. Trainingsanzüge, bauchfreie Pullis und Schlabberhosen bereicherten nicht das Stadtbild.
„Die Kleidung muss den eigenen Typ unterstreichen“, sagt Tietzel. Die Mode sei ihr mittlerweile völlig egal. Sie entscheide bei der Kleiderwahl danach, ob es zu ihrem Typ passt. Das habe sie viele Jahre lernen müssen. Ihre größte Kleidungssünde? „Ein grasgrünes Mini-Kleid in den 68ern.“
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







