Krefeld: Seidenkultur auf dem Laufsteg
VON HANS DIETER PESCHKEN - zuletzt aktualisiert: 17.01.2011Krefeld (RPO). Beim Festakt zum zehnjährigen Bestehen des Hauses der Seidenkultur wurde Mode in der Friedenskirche präsentiert. Oberbürgermeister Gregor Kathstede brachte 1000 Euro von einem Spender mit – auch andere Gratulanten kamen mit Geschenken.
Aus vollem Herzen kam das Bekenntnis von Gregor Kathstede: "Ich liebe das ,Haus der Seidenkultur'." Der Oberbürgermeister hielt die Festansprache in der Friedenskirche zum zehnjährigen Bestehen des HdS, nannte Hansgeorg Hauser, den Vorsitzenden des Fördervereins, "Mister Haus der Seidenkultur" und brachte zum Jubiläum Präsente mit. 1000 Euro eines nicht genannten Spenders – "Wir schließen alle die Sparkasse Krefeld in unser Abendgebet ein" – und Urkunden und Ehrenteller für Günter Göbels (Patroneur), Manfred Meisters (Weber) und Günter Oehms (Weber), alle Aktive der ersten Stunde.
Öffnungszeiten
Das "Haus der Seidenkultur" ist an der Luisenstraße 15. Geöffnet ist jeden 1. und 3. Sonntag von 14 bis 18 und jeden 4. Donnerstag von 16 bis 19 Uhr. Jeden 2. Mittwoch, 16 bis 18 Uhr, wird in einer Weberrunde Einblick in die Arbeit des Webers gegeben. Nächste Eröffnung: Do., 27. Januar: "novaARTex".
Die Ehrenamtlichen tragen das Museum, dem "authentischen Ort", an dem "einzigartig in ganz Europa Stadtgeschichte erlebbar wird." Von 1908 bis 1992 produzierte in dem 1868 erbauten Gebäude die Paramentenweberei Gotzes an acht "Jacquard-Webstühlen" vorwiegend liturgische Gewänder. Die NRW-Stiftung, für die Regierungsdirektor Armin Huber mit Überreichung von 30 Bildbänden gratulierte, hatte 300 000 Euro für den Hauskauf dazugetan: "So ein beispielhaftes Engagement unterstützen wir gerne." Von 7720 Stunden, die in der Besucherbetreuung, in Wechselausstellungen und in der Erhaltung der Bestände gearbeitet wurden, sind 6280 ohne Bezahlung geleistet worden, wie Hansgeorg Hauser vorrechnete. "Bald haben wir nicht mehr genügend Personal", sagte Hauser, und auch die Restaurierung der alten Technik macht Probleme.
Immerhin sind sechs alte Web-stühle wieder im Web-Zustand und können in Betrieb vorgeführt werden. Hinzu kommen aber auch Raumprobleme für die Archivierung. "Mit dem Erfolg die Grenzen verschieben" will Hauser, plädiert für ein "Industrie- und Technik-Museum", für ein "Haus der Zukunftsgeschichte" in dem handwerkliches Leben in Krefeld vor der Industrialisierung in Zusammenarbeit mit der Handwerkskammer gezeigt werden könnte. "Da können wertvolle sinnliche Erfahrungen gemacht werden." Der Jubiläumsfestakt bot den Gästen auch nicht nur Reden, sondern Erlebnisse rund um das textile Leben und die Krefelder Kultur. Meister Ponzelar und Seidenbaron Cornelius de Greiff kommentierten und moderierten launig, das Saxophon-Quartett der Musikschule und Anh-Tuan Bui am Flügel musizierten, Maria Wester las Gedichte mit seidenen Bezügen und Thomas Cieslik zupfte dazu die Gitarre.
Kinder führten mit Museumspädagogin Ulrike Denter einen "lebendigen Webstuhl" vor, und eine Fechterin und ein Fechter vom KTSV Preußen zeigten, wie textiles Gewebe aus Krefeld in diesem Sport eingesetzt wird. Das Vokalensemble Dionysius sang, und zu all dem optischen und akustischen Vergnügen kam noch das Lukullische hinzu. Schülerinnen und Schüler des Berufskollegs Vera Beckers servierten Häppchen und Suppe, und dass an dieser Schule auch die Krefelder Textilkunst lebt und sich in die Zukunft ausrichtet, wurde mit einer "High-Tech-Modenschau" vergnüglich offenbar.
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