Krefeld: Siemensstraße seit 32 Wochen gesperrt
VON JOCHEN LENZEN - zuletzt aktualisiert: 09.02.2012Krefeld (RP). Seit rund zehn Jahren wurde die Straße am City-Ring immer wiederfür Wochen und Monate gesperrt.
Diesmal sollten die Kanalarbeiten zwölf Wochen dauern, inzwischen sind es schon 32. Mitte März soll die Straße nun fertig werden. Ein Kioskbesitzer ist existenzbedroht.
Den Autofahrern, die den Cityring auf der Philadelphiastraße Richtung Süden befahren, ist der Anblick fast schon vertraut: Seit fast zehn Jahren ist die Siemensstraße hinter dem Voltaplatz immer wieder gesperrt – so häufig wie wohl keine andere Straße in Krefeld. Dabei ist sie, wenn von Verkehrsplanern und Anliegern auch höchst ungern gesehen, als Alternativstrecke beliebt, um auf dem Weg Richtung Süden zwei Ampeln auf der Ritterstraße zu umfahren.
Auf 70 % Autokunden angewiesen
Jetzt ist die Siemensstraße wieder einmal dicht – und zwar schon seit August vergangenen Jahres. Angekündigt war die Sperrung wegen Kanalbauarbeiten für etwa zwölf Wochen. Inzwischen sind daraus 32 geworden, wobei die letzten Wochen dem Frost geschuldet sind. Das ist nicht nur für die Autofahrer, sondern besonders für die Anlieger ärgerlich; im Falle des Kioskbesitzers kurz vor der Virchowstraße sogar existenzbedrohend. "Ich habe den Kiosk seit 2003; seitdem ist die Straße fast jedes Jahr über Wochen und sogar Monate gesperrt worden", klagt Abdullah Al-Assadi. Der aus Syrien stammende gelernte Innenarchitekt ist auf die normalerweise rund 70 Prozent Autokunden angewiesen, die kurz anhalten, um sich mit Getränken, Süßigkeiten oder Tabak zu versorgen oder eine schnelle Tasse Kaffee zu trinken. "Es lohnt sich nicht mehr. Wenn der Vertrag 2014 ausläuft, muss ich Schluss machen. Jetzt verdiene ich gerade so viel, dass ich noch die Miete bezahlen kann." Dabei habe er schon alle entbehrlichen elektrischen Geräte abgestellt.
Anlieger-Analyse
Gert Bojung, Anlieger der ebenso betroffenen Virchowstraße, hat – Vorsicht, Ironie! – Erklärungsmöglichkeiten für die Verzögerung der für zwölf Wochen angekündigten Baumaßnahme zusammengestellt.
– Statt Wochen lies: Monate
– die schiere Länge der Baustelle, etwa 200 Meter, hat den Zeitplanungsstab verwirrt
– das widrige Sommerwetter, besonders im Oktober und November, verhinderte zügige Arbeiten
– die errichteten Stellwände sollen den Blick auf Erdöl-Probebohrungen verwehren.
– Januar: Endlich, der Frost ist da.
Dirk Höstermann, Sprecher der Stadtwerke, erklärt die Sperrungen in den vergangenen vier Jahren so: "Für den Austausch des Abwasserkanals zwischen Virchowstraße und Fütingsweg mussten wir die Straße 2009 für vier Monate sperren. Voraussetzung dafür war im September 2008 ein leichtes Versetzen mit gleichzeitiger Sanierung der Gas- und Trinkwasserleitungen." 2010 war die Straße fast zwölf Wochen lang gesperrt, weil dort erstmals eine Fernwärmeleitung verlegt wurde. Angekündigt waren vier Wochen. "Anwohner haben das Angebot, Öl oder Gas gegen Fernwärme auszutauschen, allerdings nur nach und nach angenommen, so dass sich die Arbeiten in die Länge zogen. Parallel dazu haben wir – dann noch bis Ende des Jahres – Stromleitungen verlegt.
Die nun seit August laufenden Arbeiten haben sich laut Höstermann bis jetzt hingezogen, weil der Kanal in 4,50 Meter Tiefe liegt und man nicht mit der Härte des Bodenmaterials gerechnet habe. Außerdem riesele links und rechts des Grabens Sand herab, der ein Absacken der 2010 verlegten Fernwärme- und Stromleitungen hätte bewirken können. Auch die nötigen Sicherungsmaßnahmen gegen den abrieselnden Sand hätten die Arbeiten verzögert. "Die Anwohner haben wirklich leiden müssen. Bis Mitte März aber wollen wir fertig sein – inklusive neuer Asphaltdecke. Dann sollten die Anlieger für die nächsten Jahrzehnte Ruhe haben", sagt der SWK-Sprecher.
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