Krefeld: Skandal im Sperrbezirk
VON SEBASTIAN PETERS - zuletzt aktualisiert: 11.05.2007Krefeld (RPO). Anwohner der Märklinstraße protestieren: Eine Prostituierte soll dort einen Bordellbetrieb eingerichtet haben. Das Problem: Nebenan liegen zwei Kindergärten. Und eigentlich sind Bordelle dort gar nicht erlaubt.
Bis zum Februar war alles ruhig rund um die Märklinstraße in Krefeld-Süd. Dann kam die Prostituierte Karin N. (46) , die im Internet und per Annonce ihre Dienste anbot und damit warb, dass außer ihr zwei weitere Damen, (20 und 31 Jahre), im Haus Märklinstraße Nr. 13 anzutreffen seien. Seitdem herrscht auf der Straße reger Verkehr: Die Freier parken, gehen ins Haus, kommen nach einer halbe Stunde wieder raus. Ein Nachbar klagt: „Seit drei Monaten geht das schon so.“ 40 Anwohner leben an der Märklinstraße. Sie sind auch deshalb sauer, weil gleich zwei Kindergärten in der Nachbarschaft des Bordells liegen. Das Haus Märklinstraße 13 gehörte früher einer Krefelder Zahnärztin.
Gesetzeslage
§ 184 d: „Wer einem durch Rechtsverordnung erlassenen Verbot, der Prostitution (...) zuwiderhandelt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu sechs Monaten oder mit Geldstrafe bis zu 180 Tagessätzen bestraft.“
Sperrbezirk: Festgelegt in „Rechtsverordnung zur Bekämpfung der Prostitution und zum Schutze der Jugend und des öffentlichen Anstandes von 1974.“
Gestern Abend verschafften Anwohner und Eltern ihrem Unmut bei der Sitzung der Bezirksvertretung Süd Luft und forderten die Stadt auf, tätig zu werden. Das Ordnungsamt ließ gestern über Michael Streubel vom Presseamt verlauten, dass sich das Etablissement in einem Sperrbezirk befinde. Dies habe die Polizei bisher nicht gewusst. „Es ist nun Aufgabe der Polizei, in dem Bereich zu kontrollieren“, sagte gestern Abend Jörg Schäfer, Leiter des Bürgerservice.
Bürgersorge: Krefelds St. Pauli
Die Nachbarn haben unterdessen die Angst, dass sich der Rotlichtbetrieb noch ausweitet. Margarete Dahmen, Leiterin des evangelischen Kindergartens, fürchtet, dass ihre Einrichtung den guten Ruf verliert: „Ich bin nicht in Sorge um die Kinder und habe auch nichts gegen die Prostituierte. Allerdings verstehe ich den Ärger der Eltern.“ Ihre Befürchtung: „Die Märklinstraße ist eine Sackgasse – eine ideale Gegend eigentlich für ein mitten in der Stadt gelegenes Rotlichtmilieu.“ Denn das Haus an der Märklinstraße 13 soll erst der Anfang sein. Die Nachbarn befürchten, dass auch ein Haus weiter ein Bordell errichtet wird. Das Haus soll ebenfalls der Prostituierten aus Gummersbach gehören, so die Nachbarn. Die Mieter, die dort noch wohnen, sollen ausziehen. „Ich will diese Sache weder bejahen noch verneinen“, sagte Karin N. gestern am Telefon. Sie wehrte den Vorwurf ab, dass neben ihr noch weitere Damen dort arbeiten würden: „Ich arbeite freischaffend und zahle dafür Steuern. Ich kann in meiner eigenen Wohnung machen, was ich will.“ Nach Informationen des Presseamtes kontrollierte die Polizei mehrere Male bei der Frau. „Seit ein paar Tagen ist es hier ruhiger“, sagt Nachbar Keser Hüdayet (41). Er wohnt mit Frau und zwei Kindern direkt neben dem Haus und sorgt sich: „Wenn jetzt noch ein zweites Haus dieser Art hier aufmacht, dann sind das fast Verhältnisse wie in St. Pauli.“ Bei der Sitzung der Bezirksvertretung betonte Schäfer, dass es zur Sorge einiger Anwohner nicht kommen werde: „Sie dürfen sich sicher sein, dass die Polizei dort nun kontrolliert.“
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