Krefeld: Sommerhitze in der City
VON JOCHEN LENZEN - zuletzt aktualisiert: 20.08.2009Krefeld (RPO). Temperaturen von 30 Grad und mehr ließen gestern südländische Gelassenheit aufkommen. In den Außengastronomien gab es zur Mittagszeit keinen freien Schattenplatz mehr. Doch beim Pelzhändler fragte ein Paar nach einer Lammfelljacke. Heute soll's bis 37 Grad heiß werden.
"Mensch, ist das heiß", sagt der junge Mann, der gerade mit zwei Kumpels "Unter der Uhr" am Ostwall vorbeikommt. Er zieht sein T-Shirt aus und gibt seinen muskulösen Oberkörper frei. Es ist Mittagszeit; die Temperatur nähert sich allmählich ihrem Höchststand von mehr als 30 Grad. In allen benachbarten Außengastronomien sind nur noch Plätze in der prallen Sonne frei. Alles, was Schatten bietet, ist hoffnungslos belegt. Wer also am heutigen Tag, der mit 37 Grad der bisher heißeste des Jahres werden soll, eine Pause an frischer Luft verbringen will, sollte sich beizeiten einen Platz unter Baum, Sonnenschirm oder Markise sichern.
Langsam soll man es bei Hitze angehen lassen. Und tatsächlich lässt die Hektik zusehends nach, mehrt sich südländische Gelassenheit. Der Radfahrer tritt im kleinsten Gang so langsam, dass er vom Rad zu fallen droht. Ganz gemächlich schlendern auch die Eisschlecker durch die Stadt, die gegenüber der jungen Frau mit dem Backfischbrötchen weit in der Überzahl sind. Auf dem Stadtmarkt studiert ein Mann mit Strohhut vor den Auslagen mit einladendem Frischobst seinen Einkaufszettel.
Philosophisch gesehen
Pausenzeit bei sommerlicher Hitze ist auch die Zeit für sommerliche Gedanken.
Im Café Le Journal kam Joachim Watzlawik, Kulturbeauftragter der Friedenskirche, ins Philosophieren: "Man hat ein zwiespältiges Feeling bei dem Wetter. Das sind zwei Kräfte, die jetzt in einem wirken. In der Seele macht sich bei Sonne und Wärme ein wohliges Urlaubsgefühl breit. Der Körper hat dagegen mit dem aufkommenden Druck der Hitze zu kämpfen."
Jeder Sonnenflüchter weiß, dass er die Straßen, die den Süden mit dem Norden verbinden, zur Mittagszeit meiden muss. Dann steht der glühende Fixstern so exakt über ihnen, dass die Hauswände so gut wie keinen Schatten spenden. Deshalb ist wohl auch der Platz von Bratwurst-Paule frei. Erleichterung bringt da nur eine Pause auf dem dicht von Bäumen und Schirmen bestandenen Neumarkt. Oder die Flucht in eines der angenehm klimatisierten Geschäfte. Die Spuren auf dem Boden neben dem Wasserspender vor der Thalia-Buchhandlung lassen darauf schließen, dass das erquickende Nass nicht nur zum Trinken, sondern auch zur Kühlung von Unterarmen oder Gesicht genutzt wird. Am Rand des benachbarten, ausnahmsweise funktionierenden Schwanenbrunnens sitzt ein junges Paar mit Kind und lauscht dem Geplätscher.
Leichte, lockere Kleidung lautet bei heißem Wetter die Empfehlung der Ärzte, der die Leute nicht immer in geschmacklich unbedenklicher Weise folgen. Schlabbrige Shorts zu ausgelatschten Sandalen sind aber angesichts simpler, durchschwitzter Unterhemden bei den Männern und sichtbar werdender BH-Trägerchen bei den Frauen fast schon eine lässliche Sünde.
"Was gut gegen die Kälte ist, ist auch gut gegen die Hitze" lautet ein Spruch, dem Kürschnermeister Klaus Bungter vom Ostwall nicht so recht folgen kann. "Von Juni bis August ist das Geschäft mit dicken Pelzen immer schleppend. Dafür ist es die ideale Zeit der Änderungsarbeiten." Nach einer Werbeaktion vor 14 Tagen habe er aber jetzt eine Reihe von Lammfelljacken verkauft. Und danach fragt tatsächlich auch das Ehepaar Brünsing, das gerade herein gekommen ist.
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