Krefeld: Sondengänger sucht Schätze am Rheinufer
VON OTMAR SPROTHEN - zuletzt aktualisiert: 05.12.2009Krefeld (RPO). Tief hat sich der Rhein in sein Bett zurückgezogen. Die vom Strom freigelegten breiten Schotterstreifen im Naturschutzgebiet "Die Spey" sind für Bernd Günther eine wahre Fundgrube. Mit einer Metallsonde sucht er das Rheinufer hinter dem Hafen ab. Der pensionierte Kriminalbeamte ist Sondengänger. Er findet, was Menschen verlieren: Brillen, Bestecke, sogar Gebisse, Anglerblei, aber auch Münzen, Ketten und Ringe.
Mit einer langstieligen Sonde, die mit einem Kopfhörer verbunden ist, stapft Günther vorsichtig über den steinigen Untergrund, wobei er die Sonde in ruhigen Halbkreisen dicht über den Boden pendeln lässt. Dann verharrt er, sticht mit einer kleinen Schaufel in den Untergrund und zerreibt das ausgegrabene Material. Was er später genauer untersuchen möchte, lässt er in die Taschen seines Parka gleiten. Seit drei Jahren frönt er seiner Sammelleidenschaft. Seine Sonde dringt etwa 40 Zentimeter tief in den Untergrund ein. "Man braucht eine längere Übung, bis man das Piepen der Sonde übersetzen kann", erklärt Günther.
Großes Gebiet
Sein "Jagdgebiet" reicht von Homberg bis Meerbusch. Den Rhein bei Gellep hält Günther allerdings für weniger ergiebig für historische Funde, da sich das Flussbett im Laufe der Jahrhunderte immer wieder verschoben hat. Aber er warnt auch: "Wenn einer mit der Sonde so durch die Gegend läuft und mit dem Fuß ein wenig scharrt, führt er nach dem Denkmalschutzgesetz NRW eine Grabung durch.
Für jede Grabungsaktivität benötigt man eine Genehmigung der Oberen Denkmalschutzbehörde. In einem Gespräch wird erst die Seriosität des Sondengängers geprüft und dann nur für "gestörte" Flächen wie Äcker oder Baugruben erteilt. Der Antragsteller muss sein Suchgebiet auf einer Karte genau verzeichnen und einen Fundbericht vorlegen.
Römische Münzen
Bernd Günther versteht die Vorsicht. Durch Raubgräber werden immer wieder wertvolle archäologische Funde für immer zerstört. Gerade erst hat er bei der Internet-Kaufbörse Ebay ein Angebot römischer Münzen ausgemacht, die in den Siebzigern bei Gellep-Stratum gefunden wurden: "Das riecht förmlich nach den damaligen illegalen Raubgrabungen anlässlich der Erweiterung des Krefelder Hafens."
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