Krefeld: Sparkassen-Stiftung ist Spender
VON JENS VOSS - zuletzt aktualisiert: 16.12.2009Krefeld (RPO). Das Rätselraten über den "anonymen Großspender" hat ein Ende: Gestern erklärte Oberbürgermeister Kathstede offiziell, woher die 500 000 Euro für den Turm der Dionysius-Kirche kommen. Der politische Streit geht weiter.
Die Sparkassen-Kulturstiftung Krefeld wird die Sanierung des Turms der Dionysius-Kirche mit 500 000 Euro unterstützen. Wie Oberbürgermeister Gregor Kathstede (CDU) gestern in einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz mitteilte, fiel der Beschluss in dem zur Zeit elfköpfigen Gremium gestern Nachmittag mehrheitlich mit den Stimmen der CDU- und FDP-Vertreter. "Krefeld bekommt sein Wahrzeichen nach Jahren zurück", sagte Kathstede sichtlich gelöst. Der politische Streit um die Sanierung geht weiter: Die SPD warf dem Oberbürgermeister eine "Kirchturmslüge" vor, weil er den Eindruck erweckt habe, es gebe einen privaten Spender.
Hocherfreut über die Nachricht zeigte sich gestern Abend Franz-Joseph Greve, Sprecher des Vereins "Krefelder Wahrzeichen Turm der Dionysius-Kirche". "Ich finde es sehr erfreulich, dass wir jetzt klare Bahn haben und weitermachen können. Damit ist nach bisherigem Stand des Wissens die Finanzierung gesichert. Das ist ein gutes Signal für die Stadt."
Die Sanierung der Turmhaube, die 2004 nach einem Sturm schwer beschädigt worden war, wird geschätzt 807 000 Euro kosten. 200 000 Euro bringt der Verein "Krefelder Wahrzeichen Turm der Dionysius-Kirche" auf, 107 000 Euro kommen von der Gemeinde und dem Bistum Aachen. Ist die Sanierung doch teurer, so ist laut Kathstede vereinbart, dass dann der Verein und die Kirche die weiteren Kosten tragen.
Greve schätzt, dass sich die Arbeiten noch viele Monate hinziehen. Mit Glück könnte die Sanierung noch 2010, eventuell erst im FrühJahr 2011 abgeschlossen sein.
Die SPD lehnt die Sanierung aus Mitteln der Kulturstiftung ab und spricht von einem "Wahlbetrug Akt 2". Kathstede habe 17 Tage vor der Kommunalwahl am 30. August öffentlich "den Eindruck erweckt, dass es einen privaten Spender für die Dio-Spitze gibt, dieser aber vor der Kommunalwahl nicht genannt werden wolle", erklärte der Parteichef der Krefelder SPD, Bernd Scheelen. "Wie sich jetzt herausstellt, hat es diese Zusage nie gegeben." Jetzt solle die Sparkasse zur Kasse gebeten werden. "Die SPD bleibt bei ihrem Nein zur Finanzierung durch die Sparkasse." Es könne nicht sein, dass die Allgemeinheit die Sanierung finanziere. Mit den Geldern der Sparkasse könnten sozialen Einrichtungen wie ein warmer Mittagstisch für bedürftige Kinder, das Arbeitslosenzentrum oder das Freiwilligenzentrum unterstützt werden.
Kathstede wies den Vorwurf des Wahlbetrugs zurück. "Ich habe nie von einem privaten Spender gesprochen", sagte er und griff seinerseits die SPD an "Ich finde es absolut unverständlich, dass man aus einem Wahrzeichen der Stadt ein politisches Thema macht."
Die Stiftung entnimmt ihre Zuwendung der so genannten "freiwilligen Werterhaltungsrücklage", die aus Kapitalerträgen des Stiftungsvermögens gespeist wird. Scheelen nennt dies "abenteuerlich: Die Rücklage solle vor Inflationseinflüssen schützen; die Substanz der Stiftung sei beschädigt.
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