Krefeld: Spielend lernen im Klassenzimmer
VON KATJA DIEPENBRUCK - zuletzt aktualisiert: 16.10.2007 - 15:18Was machen die Kinder, wenn sie bis 16 Uhr in der Schule sind? Was essen sie, wo spielen sie, wo werden sie gefordert und gefördert? In der Johann-Hinrich-Wichern Grundschule in Oppum ist Ganztag eine runde Sache.
Es riecht nach Essen. Geschirr klappert. Heute gibt’s Fischstäbchen mit Kartoffeln. Die ersten Schüler stürmen in den Flur, streifen ihre Rucksäcke von den Schultern, hängen die Jacken auf. Erst danach geht’s in die kleine Mensa der Grundschule. Es ist zwölf Uhr, die Jüngsten haben Schule aus, dürfen schon zu Mittag essen, andere spielen noch unter Aufsicht auf dem Hof.
Der Ganztag beginnt in der Johann-Hinrich-Wichern Grundschule in Oppum ziemlich gesittet. Einen kompletten Gebäudetrakt hat die Grundschule für die neue Betreuungsform zur Verfügung. Doch der Raum musste erst geschaffen werden. Mit monatelanger Planung, Teamwork und Kompromissfähigkeit hat das Kollegium den Platz geschaffen, den der Ganztag einfordert. Schulleiterin Barbara Peters: „Wir haben Klassenzimmer geräumt, um unsere Mensa und ein Spielzimmer einzurichten. Das heißt natürlich für einige Kollegen, in einem Provisorium zu unterrichten. Aber ohne Kompromisse geht so eine Umstellung einfach nicht. Da müssen alle zusammenhalten, auch die Kinder.“
Kids-Konferenz tagt
In der Mensa, einem ehemaligen Klassenraum, stehen i-Dötzchen und Viertklässler gleichermaßen artig in der Schlange an der Essensausgabe. Bald bekommt ihre Schule eine eigene Küche mit kleiner Ausgabetheke. Das ist den hungrigen Grundschülern im Moment egal. Sie sitzen sich an Gruppentischen gegenüber und machen sich über die Fischstäbchen her.
Nach dem Essen geht es an die Hausaufgaben. In Begleitung von Erzieherin Anja Köhnen zieht die erste Gruppe ein Stockwerk höher. Wer will, kann die Schuhe ausziehen. Im Treppenhaus wird nicht gesprochen, die anderen Kinder sollen nicht gestört werden.
„Wir lassen die Kinder an der Festlegung von Regeln und Freizeitprogramm teilhaben“, sagt die Erzieherin. „Das machen wir in einer Kids-Konferenz, in der gemeinsam geplant, überlegt und abgestimmt wird.“ Doch nicht nur Lernen und Freizeit stehen an der Thielenstraße auf der Tagesordnung. Der ganze Stolz der Schule ist das Förderzentrum, das schon lange zum Schulbetrieb gehört. Hier betreut eine Sozialpädagogin die Kinder. Gefördert werden hier in kleinen Kursen Sprachverständnis, Wahrnehmung, aber auch Körperbewusstsein und Feinmotorik.
Bei diesem breit gefächerten Angebot freut sich Schulleiterin Peters umso mehr über den Anbau, den ihre Schule als eine der wenigen in Krefeld bald erhalten wird. „Den Ganztag wollen wir unter einem Dach belassen. In den Anbau kommen neue Klassenräume. So ist der normale Schulbetrieb optimal getrennt und hat die nötige Ruhe. Wir wollen auch den Schulgarten hinter dem Ganztags-Trakt ausbauen, um den Kindern Erfahrung in der Natur zu ermöglichen“, sagt Peters. Für das Kollegium an der Thielenstraße eine Herausforderung – aber mit Aussicht auf einen Schulalltag, auf den sich Schüler und Lehrer gleichermaßen freuen.
Bis dahin wird weiterhin unter einem Dach gespielt, gegessen, gelernt und entspannt.
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