Krefeld: Stadt kontra Starkstrom
VON MARTIN RÖSE - zuletzt aktualisiert: 10.10.2008Krefeld (RPO). Auf Krefelder Gebiet möchten die RWE eine 380.000-Volt-Stromleitung bauen. Anwohner haben Angst vor Elektrosmog. Die Trasse führt auch über Grundstücke der Stadt. Krefeld will die Leitung nicht dulden.
In gut zehn Tagen wird die Bezirksregierung Düsseldorf ein Schreiben von der Firma „RWE Transportnetz Strom“ erhalten. Darin stellt das Unternehmen den Antrag, eine 5,5 Kilometer lange Starkstromleitung auf Krefelder Stadtgebiet bauen zu dürfen. Stimmt die Bezirksregierung zu, werden künftig 380.000 Volt durch die Leitungen im Krefelder Westen fließen. Zum Vergleich: eine handelsübliche Hochspannungsleitung führt nur 220.000 Volt.
Die Anwohner haben Angst vor Elektrosmog, die Politiker sind elektrisiert. Rolf Rundmund, Fraktionsvorsitzender der Grünen, fordert die Stadtverwaltung auf, „die Interessen der Bürgerinnen und Bürger beim anstehenden Genehmigungsverfahren mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu schützen“.
Strom aus Windkraft
Woher Die 380.000 Volt-Leitung soll nach Angaben von RWE Strom, der an der Küste aus Windkraft erzeugt wurde, in Richtung Süden transportieren.
Wohin Hauptabnehmer in Krefeld ist ThyssenKrupp Nirosta. Deshalb ist die Stadt auch bemüht, zu einer einvernehmlichen Lösung mit den RWE zu gelangen.
Am besten weiter nach Westen
Das wird wohl auch passieren. „Teile der Starkstromtrasse führen über Grundstücke, die im Besitz der Stadt Krefeld sind“, erklärt Planungsdezernent Thomas Visser. Die RWE sind nun an die Stadt herangetreten, um vertraglich die Zusage zu erhalten, dass die Stadt als Grundstückseigentümerin die neue Leitung duldet – und auch Wartungsarbeiten auf ihren Grundstücken erlaubt.
Diese Dienstbarkeiten sollten ins Grundbuch eingetragen werden. „Diese Verträge haben wir aber nicht unterzeichnet“, sagt Visser. Grundlage für das „Nein“ der Verwaltung ist ein Beschluss des Liegenschaftsausschusses, in dem die Fraktionen einstimmig erklärten, mit den RWE in dieser Frage nicht zu kooperieren.
Und noch einen Hebel will die Stadt demnächst gegen die geplante Starkstromleitung ansetzen: Im Planfeststellungsverfahren muss die Bezirksregierung eine Stellungnahme der Stadt einholen. „Darin wollen wir die Idee einer Erdleitung ins Verfahren einbringen“, erklärt Visser. „Schließlich geht es um den Schutz für die Menschen in Krefeld.“
„Wir sind ganz explizit auf Konsens aus“, sagt Marian Rappl, Sprecher der RWE Transportnetz Strom. Dennoch sei die Verlegung des Höchstspannungskabels ins Erdreich unwahrscheinlich: „Das ist noch keine etablierte Technik.“ Erst nach einer mehrjährigen Probephase hätten bundesweit verlegte Erdkabel überhaupt eine Chance.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







