Krefeld: Stadtvertrag mit Rummel-Paragraf
zuletzt aktualisiert: 22.07.2010Krefeld (RPO). Er ist mittlerweile in die Jahre gekommen und muss von Zeit zu Zeit auch einmal erneuert werden, der Amtszylinder des Uerdinger Bürgermeisters. Wann genau er zum ersten Male offiziell in Erscheinung trat, weiß keiner so recht. Doch der Zylinder, den Bezirksvorsteher Elmar Jakubowski traditionell am Sonntag um 12 Uhr wieder vom Rathausbalkon schwenken wird, ist ein nicht wegzudenkender Bestandteil der Uerdinger Kirmes. Und die wird in diesem Jahr 202 Jahre alt. Traditionell wird die Kirmes allerdings erst am Sonntag nach der Messe eröffnet. Und das wurde bereits 1929 im Vertrag zwischen der Rheinstadt Uerdingen und der Stadt Krefeld festgehalten.
"Da gibt es einen eigenen Paragrafen zur Uerdinger Kirmes", sagt Elmar Jakubowski und erklärt: "An dem Sonntag schwenkt der Bezirksbürgermeister den Zylinder und grüßt damit die Schausteller". Dadurch ergibt sich bei der Uerdinger Kirmes die Besonderheit, dass sie in diesem Jahr bereits am Samstag beginnt, aber erst am Sonntag "eröffnet" wird.
"Ein besonders schönes Bild bot sich im Jahr 1955 bei der 700-Jahrfeier der Stadt Uerdingen", erinnert sich Ulrich Lohmar, Vorsitzender des Uerdinger Heimatbundes. "Damals traten nach der Begrüßung durch den Bezirksvorsteher einige junge Damen als Biedermeier-Mädchen kostümiert auf den Balkon."
Worin das Erfolgsgeheimnis steckt, dass die Uerdinger Kirmes immer so ein wichtiges Ereignis auch über Uerdingen hinaus war, erklärt Ulrich Lohmar anhand alter Zeitungsartikel. 1926 schreibt das Uerdinger Tageblatt: "Ein Volksfest im wahrsten Sinne des Wortes ist die Uerdinger Kirmes, und ich glaube, so mancher Großstädter beneidet uns um dieses Fest, das wesentlich zur Stärkung des Zusammengehörigkeitsgefühls beiträgt."
Ein Punkt, an den sich auch heute noch viele Uerdinger gerne erinnern: Am Kirmes-Montag hatten alle frei, und ganze Abteilungen der Unternehmen gingen gemeinsam über die Kirmes. 1937 "empfängt Uerdingen die 1. Räumbootflottille zur Kirmes" und 20 Jahre später titelte die Rheinische Post "Uerdinger Kirmes mit Rekordbesuch".
Auch wenn die Uerdinger Kirmes mehr als 200 Jahre alt wird, so reichen die Anfänge deutlich weiter zurück. Die Wurzeln liegen um das Jahr 1462: Erzbischof Dietrich von Köln verlieh der Rheinstadt einen neuen Jahrmarkt, der am 10. August, dem St. Laurentiustag, sein sollte. Nach verschiedenen Veranstaltungstagen wurde der Markt erst in der Franzosenzeit 1808 auf den Sonntag vor Pantaleon (27. Juli) gelegt.
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